Tag 154

Vollkommen verrückte Liebe

Weisheit Psalm 69,1–13
Neues Testament Johannes 21,1–25
Altes Testament 2. Samuel 2,8–3,21

Einführung

Die Mutter von Francis Chan starb bei seiner Geburt. Die einzige Zuneigung, die er je von seinem Vater erhielt, war eine Umarmung auf der Beerdigung seiner Stiefmutter. Da war er neun Jahre alt. Als er zwölf war, starb auch sein Vater. Francis weinte, aber er war auch erleichtert.

Heute ist Francis Pastor. Er hat mit seiner Frau fünf Kinder. Als seine Kinder zur Welt kamen, öffnete ihm die Liebe, die er für sie empfand, und sein Wunsch, von ihnen geliebt zu werden, die Augen dafür, wie sehr Gott sich nach uns sehnt, und wie sehr Er uns liebt. „Diese Erfahrung lässt mich verstehen, dass mein Verlangen nach meinen Kindern nur ein schwacher Abglanz dessen ist, wie sehr Gott mich und jeden Menschen, den Er erschaffen hat, liebt… Ich liebe meine Kinder so sehr, dass es weh tut.“

In seinem ersten Buch, Eine vollkommen verrückte Liebe, schreibt er, „Der Gedanke vollkommen verrückter Liebe hat etwas mit unserer Gottesbeziehung zu tun. Mein ganzes Leben lang habe ich Leute sagen hören, „Gott liebt dich.“ Das ist wahrscheinlich die irrste Aussage, die man überhaupt machen kann – zu sagen, dass einen der Schöpfer des Universums liebt. Und es gibt eine Antwort, eine verrückte Reaktion, mit der ein jeder Gläubige auf diese Liebe hin handeln müsste. Verstehen Sie wirklich, was Gott für Sie getan hat? Wenn ja, warum ist Ihre Antwort dann so lau?“

Das Wort „Eifer“1 (Hebräisch: quinat) impliziert ein tiefes oder leidenschaftliches Verlangen. Eifer kann auch fehlgeleitet werden, doch wie Paulus schreibt, „ist das Eifern aber gut, wenn es für das Gute geschieht“ (Galater 4,18; SLA). Und an anderer Stelle schreibt er, „Werdet im Eifer nicht nachlässig“ (Römer 12,11; GNB). Vielleicht ließe sich dieser „Eifer“ modern gut mit „vollkommen verrückte Liebe“ übersetzen?

Weisheit

Psalm 69,1–13

In der Zerreißprobe

1 Von David. Nach der Melodie: »Lilien«.

2 Rette mich, Gott,
  das Wasser steht mir bis zum Hals!

3 Ich versinke im tiefen Schlamm,
  meine Füße finden keinen Halt mehr.
  Die Strudel ziehen mich nach unten,
  und die Fluten schlagen schon über mir zusammen.

4 Ich habe mich heiser geschrien
  und bin völlig erschöpft.
  Meine Augen sind vom Weinen ganz verquollen,
  vergeblich halte ich Ausschau
  nach meinem Gott.

5 Wie viele hassen mich ohne jeden Grund!
  Ich habe mehr Feinde als Haare auf dem Kopf.
  Sie besitzen Macht und wollen mich auslöschen.
  Ich soll zurückgeben, was ich nie gestohlen habe,
  so fordern sie lauthals von mir.

6 Menschen können mir nichts vorwerfen,
  in deinen Augen jedoch bin ich nicht ohne Schuld;
  du weißt besser als ich, wie dumm ich war.

7 Du bist der HERR, der allmächtige Gott Israels:
  Enttäusche nicht die Menschen, die auf dich hoffen!
  Denn wenn sie sehen, dass du mich im Stich lässt,
  werden sie an dir verzweifeln!

8 Man verhöhnt mich,
  weil ich zu dir gehöre,
  Schimpf und Schande muss ich über mich ergehen lassen.

9 Meine Verwandten wollen nichts mehr von mir wissen,
  selbst meinen Brüdern bin ich fremd geworden.

10 Ich verzehre mich im Eifer für deinen Tempel.
  Die Anfeindungen, die dir, Gott, galten,
  haben mich getroffen.

11 Ich weinte über den Zustand
  deines Heiligtums und fastete,
  aber damit wurde ich erst recht zum Gespött der Leute.

12 Als ich ein grobes Trauergewand anzog,
  kam ich noch mehr ins Gerede.

13 Auf dem Marktplatz zerreißen sie sich
  das Maul über mich;
  und bei Zechgelagen grölen sie ihre Spottlieder.

Kommentar

„Vollkommen verrückte Liebe” für Gottes Haus

David liebt Gott so sehr, dass er jede Beleidigung Gottes persönlich nimmt. Es tut ihm weh zu hören, wie Gott gelästert wird: „Die Anfeindungen, die dir, Gott, galten, haben mich getroffen“ (69,10b; Hfa).

David schreibt, „Die Leidenschaft für dein Haus brennt in mir“ (69,10a). Seine Leidenschaft für Gottes Haus war so groß, weil es der symbolische Ort für Gottes Gegenwart unter Seinem Volk war.

An diese Worte erinnern sich die Jünger, als Jesus den Tempel reinigt (Johannes 2,17). Aus leidenschaftlicher Liebe zu Gott und Seinem Haus verjagte Jesus alle, die versuchten, Profit aus einem Ort der Anbetung zu schlagen; die Menschen ausnahmen, die sich Gott nähern wollten.

David hat das leidenschaftliche Verlangen, dass Gottes Name nicht in Verruf gebracht wird, dass niemand wegen ihm in Ungnade fällt: „Lass nicht zu, dass die, die auf dich vertrauen, meinetwegen enttäuscht werden“ (69,7). Wie ich, ist er sich seiner Torheit und Schuld bewusst: „Gott, du weißt, wie viele Fehler ich mache, denn meine Sünden sind dir nicht verborgen“ (69,6). David sorgt sich, er könnte dem Haus Gottes Unehre machen.

Heute ist das Haus Gottes – der Tempel – Christus und Sein Leib, Seine Kirche (1. Petrus 2,5). Es ist völlig in Ordnung, für Christi Kirche entbrannt zu sein. Sorge mit Eifer und Hingabe dafür, dass Gottes Name in unserer Zeit in Seiner Kirche geehrt wird.

Mich persönlich inspiriert Leidenschaft für Gottes Haus – leidenschaftlicher Lobpreis, Hunger nach dem Wort Gottes in der Predigt, die unglaubliche Herzlichkeit, mit der jeder neue Gast willkommen geheißen wird.

Leidenschaft ist anregend und ansteckend. Wir brauchen mehr vollkommen verrückte Liebe in der Kirche unserer Zeit.

Gebet

Herr, verbrenne mich mit Leidenschaft für Deinen Namen und Deine Kirche.

Neues Testament

Johannes 21,1–25

Jesus begegnet den Jüngern am See Genezareth

21 1 Später zeigte sich Jesus seinen Jüngern noch einmal am See Genezareth. Das geschah so: 2 Simon Petrus, Thomas, der Zwilling genannt wurde, Nathanael aus Kana in Galiläa, die beiden Söhne von Zebedäus und zwei andere Jünger waren dort zusammen. 3 Simon Petrus sagte: »Ich gehe jetzt fischen!« »Wir kommen mit«, meinten die anderen. Sie gingen zum Ufer, stiegen ins Boot und fuhren los. Aber während der ganzen Nacht fingen sie keinen einzigen Fisch.

4 Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht.

5 Jesus rief ihnen zu: »Freunde, habt ihr nicht ein paar Fische zu essen?«

»Nein«, antworteten sie.

6 Da forderte er sie auf: »Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, dann werdet ihr einen guten Fang machen!« Sie folgten seinem Rat und fingen so viele Fische, dass sie das Netz nicht mehr einholen konnten.

7 Jetzt sagte der Jünger, den Jesus sehr lieb hatte, zu Petrus: »Das ist der Herr!« Kaum hatte Simon Petrus das gehört, zog er sein Obergewand an, das er während der Arbeit abgelegt hatte, sprang ins Wasser und schwamm an das nahe Ufer. 8 Die anderen Jünger waren noch etwa hundert Meter vom Ufer entfernt. Sie folgten Petrus mit dem Boot und zogen das gefüllte Netz hinter sich her. 9 Als sie aus dem Boot stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer, auf dem Fische brieten. Auch Brot lag bereit.

10 Jesus bat die Jünger: »Bringt ein paar von den Fischen her, die ihr gerade gefangen habt!« 11 Simon Petrus ging zum Boot und zog das Netz an Land. Es war gefüllt mit 153 großen Fischen. Und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht. 12 »Kommt her und esst!«, sagte Jesus. Keiner von den Jüngern wagte zu fragen: »Wer bist du?« Aber sie alle wussten: Es ist der Herr. 13 Jesus ging auf sie zu, nahm das Brot und verteilte es an sie, ebenso die Fische. 14 Dies war das dritte Mal, dass Jesus sich seinen Jüngern zeigte, nachdem er von den Toten auferstanden war. »Liebst du mich?«

15 Nachdem sie an diesem Morgen miteinander gegessen hatten, fragte Jesus Simon: »Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich mehr als die anderen hier?«

»Ja, Herr«, antwortete ihm Petrus, »du weißt, dass ich dich lieb habe.«

»Dann sorge für meine Lämmer«, sagte Jesus.

16 Jesus wiederholte seine Frage: »Simon, Sohn von Johannes, liebst du mich?«

»Ja, Herr, du weißt doch, dass ich dich lieb habe«, antwortete Petrus noch einmal.

Da sagte Jesus zu ihm: »Dann hüte meine Schafe!«

17 Und ein drittes Mal fragte Jesus: »Simon, Sohn von Johannes, hast du mich wirklich lieb?«

Jetzt wurde Petrus traurig, weil Jesus ihm nun zum dritten Mal diese Frage stellte. Deshalb antwortete er: »Herr, du weißt alles. Du weißt doch auch, wie sehr ich dich lieb habe!« Darauf sagte Jesus: »Dann sorge für meine Schafe! 18 Ich sage dir die Wahrheit: Als du jung warst, hast du dir selbst den Gürtel umgebunden und bist gegangen, wohin du wolltest. Im Alter aber wirst du deine Hände ausstrecken; ein anderer wird dir den Gürtel darumbinden und dich dorthin führen, wo du nicht hingehen willst.« 19 Damit deutete Jesus an, durch welchen Tod Petrus einmal Gott ehren würde. Dann forderte Jesus ihn auf: »Folge mir nach!«

20 Petrus wandte sich um und sah hinter ihnen den Jünger, den Jesus sehr lieb hatte. Es war derselbe, der beim letzten Abendessen seinen Platz ganz nah bei Jesus gehabt und ihn gefragt hatte: »Herr, wer von uns wird dich verraten?« 21 Petrus fragte nun: »Herr, was wird denn aus ihm?«

22 Jesus erwiderte: »Wenn ich will, dass er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an? Folge du mir nach!« 23 So entstand unter denen, die sich zu Jesus bekannten, das Gerücht: »Dieser Jünger wird nicht sterben.« Aber das hatte Jesus nicht gesagt, sondern: »Wenn ich will, dass er so lange lebt, bis ich wiederkomme, was geht es dich an?«

24 Ebendieser Jünger ist es, der all das bezeugt und hier aufgeschrieben hat. Und wir wissen, dass alles, was er bezeugt, wahr ist.

Schlusswort

25 Noch vieles mehr hat Jesus getan. Aber wollte man das alles eins nach dem anderen aufschreiben – mir scheint, es wäre wohl auf der ganzen Welt nicht genügend Platz für die vielen Bücher, die dann noch geschrieben werden müssten.

Kommentar

„Vollkommen verrückte Liebe” für Jesus

Hier erscheint Jesus zum dritten Mal Seinen Jüngern (eigentlich zum 4. Mal, wenn man Seine Begegnung mit Maria Magdalena dazurechnet) (21,14).

Jesus tritt mitten in ihren Alltag. Du musst nichts Außergewöhnliches tun; Jesus begegnet dir, wo immer du bist. Petrus ist am Fischen. Sechs der Jünger sind bei ihm. Jesus sagt ihnen, wo sie fischen sollen, und dann bereitet Er ihnen das Frühstück. Da sagt der von den Toten auferstandene Jesus – durch den das ganze Universum geschaffen ist – zu Seinen Freunden, „Kommt her und frühstückt“ (21,12). Gott, wie Er Sich uns in Jesus Christus offenbart, bejaht das Leben. Es macht Spaß, mit Ihm zusammen zu sein!

Als Johannes Jesus erkennt, ruft er Petrus zu, „Es ist der Herr!“ (21,7a). Petrus bot gewiss einen skurrilen Anblick, als er – voller Aufregung, Begeisterung und Eifer – versuchte, so schnell wie möglich zu Jesus zu gelangen: „er warf sich das Obergewand über, band es hoch und sprang ins Wasser. Er hatte es nämlich zum Arbeiten abgelegt“ (7b; GNB).

Wir tun manchmal in unserem Eifer wirklich verrückte Sachen. Was zählt ist jedoch ein Herz, das aus Liebe und Eifer für Jesus schlägt. Petrus‘ Augen waren auf Jesus fixiert; er wollte nur eins: zu Ihm.

In der anschließenden Unterhaltung zwischen Jesus und Petrus sehen wir, was leidenschaftliche Liebe für Jesus bedeutet:

1. Höchste Liebe
Jesus fragt Petrus, „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als die anderen?“ (21,15). Damit forderte Er Petrus auf, seine Liebe für Ihn zum Wichtigsten in seinem Leben zu machen. Wir sollen Jesus mehr lieben als alles andere.

Petrus‘ Eifer war nicht unangefochten geblieben. Dreimal hatte er Jesus verleugnet. Deshalb gibt Jesus ihm jetzt dreimal die Gelegenheit, Ihm seine Liebe zu versichern. Dreimal sagt Petrus, „Du weißt, dass ich dich lieb habe“ (21,15-17).

2. Opferbereite Liebe
Jesus deutet an, dass Petrus‘ Liebe und Eifer für Jesus und Seine Kirche ihn teuer zu stehen kommen werden. Tatsächlich sollte Petrus mit seinem Leben dafür bezahlen. Jesus sagt, „„wenn du alt bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich führen und hinbringen, wo du nicht hingehen willst.“ So deutete Jesus an, auf welche Weise Petrus sterben würde, um Gott damit zu verherrlichen“ (21,18-19). Das ist der erste Hinweis darauf, dass Petrus als Märtyrer am Kreuz sterben würde. Jesus nachzufolgen, kann ein gefährliches Unterfangen sein.**

Als Petrus das hört, dreht er sich nach Johannes um und fragt nach seiner Zukunft. In diesem vertrauensvollen Gespräch mit Jesus lässt sich Petrus durch ein Vergleichen mit Johannes ablenken. Jesus erklärt ihm höflich, er möge sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Es lohnt sich, daran zu denken, wenn wir wieder einmal versucht sind, uns mit anderen zu vergleichen.

3. Dienende Liebe
Auf jedes „Du weißt, dass ich dich lieb habe“ antwortet Jesus mit, „Dann weide meine Lämmer…Dann hüte meine Schafe… Dann weide meine Schafe“ (21,15-17). All das kann Petrus jedoch nur, wenn er Jesus leidenschaftlich liebt.

Und schließlich fordert ihn Jesus auf, „Folge mir nach“ (21,19). Vollkommen verrückte Liebe für Jesus bedeutet, Seinem Vorbild zu lieben nachzueifern. Jesus gab uns das höchste Beispiel dienender Liebe überhaupt: „Die größte Liebe beweist der, der sein Leben für die Freunde hingibt“ (15,13). Er zeigte uns auch ganz praktisch, wie dienende Liebe aussieht, als Er Seinen Jüngern die Füße wusch (Kapitel 13). Es ist eine Verantwortung, Menschen zu helfen, unabhängig davon wie wir uns fühlen, sie Jesus näher zu bringen und sie dabei nicht zu kontrollieren sondern freizusetzen.

Zu dieser Art Liebe fordert Jesus dich auf. Dass deine leidenschaftliche Liebe für Jesus sich in deiner leidenschaftlichen Liebe für andere äußert; indem du dich selbst hingibst, um dich um Seine Schafe zu kümmern.

Petrus war bereit, Jesus zu der höchsten Liebe in seinem Leben zu machen. Er war bereit, den Preis zu zahlen und in Seine Fußstapfen zu treten. Er liebte den, der in Seinem kurzen Erdenleben so viel getan hatte, dass, „wenn man dies alles aufschreiben würde … könnte die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man dann schreiben müsste“ (21,25).

Gebet

„Herr, bitte hilf mir, Dich zu lieben wie Petrus es tat – leidenschaftlich und eifernd. Hilf mir, Deine Schafe zu weiden, mich um sie zu kümmern und bereitwillig den Preis dafür zu bezahlen, Dir bis zum Ende nachzufolgen – koste es, was es wolle.

Altes Testament

2. Samuel 2,8–3,21

Isch-Boschet wird König von Israel

8 Sauls Heerführer Abner, ein Sohn von Ner, hatte Isch-Boschet, einen Sohn von Saul, nach Mahanajim in Sicherheit gebracht. 9 und ihn dort zum König ausgerufen. Sein Herrschaftsgebiet umfasste die Landstriche von Gilead und Jesreel, die Gebiete der Stämme Asser, Ephraim und Benjamin und das restliche Israel.

10 Nur der Stamm Juda stand hinter David. Isch-Boschet wurde mit 40 Jahren König und regierte zwei Jahre. 11 David herrschte siebeneinhalb Jahre in Hebron als König über Juda.

Beginn des Bürgerkriegs zwischen Israel und Juda

12 Abner marschierte mit den Soldaten von Sauls Sohn Isch-Boschet von Mahanajim nach Gibeon. 13 Davids Heer zog ihm unter der Führung von Joab, dem Sohn von Davids Schwester Zeruja, entgegen. Beim Teich von Gibeon trafen sie aufeinander. Abner und seine Truppen lagerten auf der einen Seite des Teiches, Joabs Männer auf der anderen.

14 Abner schlug Joab vor: »Lass uns Kampfspiele veranstalten, die jungen Soldaten sollen gegeneinander antreten!«

Joab war einverstanden,

15 und so stellte jede Seite ihre Kämpfer: zwölf für Isch-Boschet und den Stamm Benjamin und zwölf für David. 16 Als der Kampf begann, packten die Gegner einander an den Haaren, und jeder stieß dem anderen das Schwert in die Seite. Alle vierundzwanzig waren auf einen Schlag tot. Später nannte man diesen Platz bei Gibeon Helkat-Hazzurim (»Felsenfeld«).

17 Nun kam es zwischen den Truppen zum erbitterten Kampf. Abner und seine israelitischen Soldaten unterlagen Davids Heer und ergriffen die Flucht.

18 Auch Joabs Brüder Abischai und Asaël, die Söhne von Davids Schwester Zeruja, nahmen an der Schlacht teil. Asaël war schnell und flink wie eine Gazelle. 19 Er jagte dem fliehenden Abner nach und ließ sich durch niemanden aufhalten. 20 Plötzlich drehte Abner sich um und rief: »Bist du es, Asaël?«

»Ja, ich bin es«, antwortete er.

21 Abner schrie: »Hör auf, mich zu verfolgen! Kämpf doch lieber mit einem der jungen Soldaten, an denen du vorbeigerannt bist. Ihm kannst du Rüstung und Waffen abnehmen.« Aber Asaël ließ sich nicht umstimmen und lief weiter.

22 »Ich warne dich!«, drohte Abner. »Verfolge mich nicht länger, sonst zwingst du mich, dich zu töten. Wie könnte ich dann deinem Bruder Joab noch in die Augen sehen?« 23 Doch Asaël hörte nicht auf ihn. Da stieß Abner ihm das hintere Ende seines Speeres mit solcher Wucht in den Bauch, dass es am Rücken wieder herauskam. Asaël brach zusammen und starb. Jeder, der vorbeikam und ihn dort liegen sah, blieb entsetzt stehen.

24 Auch Joab und Abischai jagten Abner nach. Als die Sonne unterging, kamen sie zum Hügel Amma; er liegt gegenüber von Giach an der Straße, die von Gibeon in die Wüste führt. 25 Die Männer vom Stamm Benjamin sammelten sich um Abner und folgten ihm auf einen Hügel.

26 Abner rief zu Joab hinüber: »Wie lange soll das Schwert noch morden? Denkst du nicht daran, dass dieser Krieg nur Leid und Hass mit sich bringt? Befiehl deinen Leuten endlich, uns, ihre Brüder, nicht weiter zu verfolgen!«

27 Joab erwiderte: »Ich schwöre dir, so wahr Gott lebt: Hättest du das nicht gesagt, dann hätten meine Leute euch noch die ganze Nacht gejagt.«

28 Er blies das Horn, und seine Soldaten machten Halt; sie gaben die Verfolgung der Israeliten auf und stellten den Kampf ein.

29 Noch in derselben Nacht traten Abner und seine Truppen den Rückzug an. Sie marschierten durch die Jordan-Ebene, überquerten den Jordan und gelangten schließlich durch die Schlucht wieder nach Mahanajim.

30 Nachdem Joab die Verfolgung Abners abgebrochen hatte, sammelte er seine Männer um sich. Außer Asaël waren weitere neunzehn Soldaten gefallen. 31 Doch ihre Gegner hatten viel größere Verluste zu beklagen: 360 Mann aus Abners Heer waren umgekommen, die meisten gehörten zum Stamm Benjamin. 32 Joab und seine Männer nahmen Asaëls Leiche mit und begruben sie auf dem Rückweg im Grab seines Vaters in Bethlehem. Noch in derselben Nacht zogen sie weiter und erreichten im Morgengrauen Hebron.

Hoffnung für alle

3 1 Der Krieg zwischen den Anhängern von Sauls Sohn Isch-Boschet und Davids Anhängern zog sich lange hin. Mit der Zeit wurde David immer stärker und mächtiger, während die andere Seite an Macht und Ansehen verlor.

Davids Familie in Hebron

2 Als David in Hebron wohnte, wurden ihm mehrere Söhne geboren:

Der älteste hieß Amnon, seine Mutter war Ahinoam aus Jesreel.

3 Danach kam Kilab, seine Mutter war Abigajil aus Karmel, die Witwe von Nabal.

Der dritte Sohn war Absalom, seine Mutter hieß Maacha und war eine Tochter von Talmai, dem König von Geschur.

4 Der vierte Sohn hieß Adonija, und seine Mutter war Haggit.

Der fünfte war Schefatja, seine Mutter hieß Abital.

5 Jitream, der sechste, war der Sohn von Davids Frau Egla.

Diese sechs Söhne wurden in Hebron geboren.

Abner und Isch-Boschet geraten aneinander

6 Während des Krieges zwischen Isch-Boschet und David hielt Abner treu zu Sauls Königshaus. 7 Eines Tages aber stellte Isch-Boschet Abner zur Rede, weil er mit einer Nebenfrau des verstorbenen Königs Saul geschlafen hatte. Die Frau hieß Rizpa und war eine Tochter von Ajja.

8 Abner wurde wütend und beschimpfte Isch-Boschet: »Was denkst du eigentlich, wer ich bin? Ein mieser Verräter, der zum Stamm Juda hält? Die ganze Zeit schon kämpfe ich mit aller Kraft für das Königshaus deines Vaters, ich helfe seinen Verwandten und Freunden. Dich habe ich beschützt, damit du David nicht in die Hände fällst. Und was ist der Dank? Wegen einer Frauengeschichte führst du dich nun so auf! 9-10 Ich habe genug von dir! Von jetzt an unterstütze ich David. Der HERR hat schließlich geschworen, dass er Sauls Familie vom Thron stoßen und David die Herrschaft geben wird. Gott soll mich hart bestrafen, wenn ich nicht dafür sorge, dass David bald König ist über ganz Israel und Juda, von Dan im Norden bis Beerscheba im Süden!« 11 Isch-Boschet brachte kein Wort mehr heraus, denn er hatte große Angst vor Abner.

Abner verhandelt mit David

12 Abner schickte Boten zu David und ließ ihm sagen: »Ich weiß so gut wie du, wem die Herrschaft über unser Land zusteht. Darum mache ich dir einen Vorschlag: Verbünde dich mit mir! Ich stelle mich auf deine Seite und sorge dafür, dass ganz Israel dich als König anerkennt.«

13 »Gut«, antwortete David, »ich werde mich mit dir verbünden, doch nur unter einer Bedingung: Du musst mir meine Frau Michal, Sauls Tochter, mitbringen. Sonst verhandle ich nicht mit dir.« 14 Zugleich sandte David Boten zu Sauls Sohn Isch-Boschet mit der Forderung: »Gib mir meine Frau Michal zurück! Schließlich habe ich für sie einen Brautpreis bezahlt: die Vorhäute von hundert Philistern.«

15 Isch-Boschet ließ Michal von ihrem zweiten Mann Paltiël, einem Sohn von Lajisch, wegholen. 16 Der Mann konnte sich aber nicht von ihr trennen. Weinend lief er ihr nach bis Bahurim. Schließlich fuhr Abner ihn an: »Geh endlich zurück!« Da erst kehrte er um.

17 Abner hatte vorher mit den Sippenoberhäuptern Israels eine Unterredung gehabt und ihnen gesagt: »Ihr wolltet doch schon lange, dass David euer König wird. 18 Jetzt ist der Augenblick zum Handeln gekommen! Der HERR selbst hat ja versprochen: ›Durch meinen Diener David will ich mein Volk aus der Gewalt der Philister und aller anderen Feinde befreien.‹«

19 Das Gleiche sagte Abner auch den führenden Männern des Stammes Benjamin. Danach reiste er nach Hebron, um David zu melden, was die Sippenoberhäupter von Israel und vom Stamm Benjamin beschlossen hatten. 20 Eine Abordnung von zwanzig Männern begleitete Abner nach Hebron. Dort gab David ein Festessen für sie. 21 Bevor Abner sich wieder verabschiedete, sagte er zu David: »Ich gehe nun zurück und lasse die Vertreter des ganzen Volkes zu einer Versammlung kommen, an der auch du, mein Herr, teilnehmen sollst. Ich werde dafür sorgen, dass sie dich als ihren neuen König anerkennen und einen Bund mit dir schließen. Dann bist du König über das ganze Land, wie du es dir schon lange gewünscht hast!« David verabschiedete Abner und ließ ihn unbehelligt gehen.

Kommentar

„Vollkommen verrückt” nach Einheit

Mit Sauls Tod zerfiel das Reich in Israel und Juda. „Abner rief zu Joab hinunter: „Soll denn das Morden ewig weitergehen?““ (2,26). Dieser Ausruf ist heute noch aktuell, wenn wir uns die Auseinandersetzungen im Nahen Osten betrachten.

„Das war der Anfang eines langen Krieges“ (3,1). „Daraufhin schickte Abner Boten zu David und ließ ihm sagen: „Wem gehört das Land?““ (3,12a). Auch diese Frage ist heute immer noch aktuell.

Abner fuhr fort, „Lass uns einen Bund schließen, und ich will dir dazu verhelfen, dass sich dir ganz Israel zuwendet“ (3,12b). Das geschah dann auch, und das Land war eine Zeitlang vereint.

Uneinigkeit zerstört. Das sehen wir heute im Nahen Osten. Wir sehen es in der Kirche von heute. Wir brauchen eine Leidenschaft für Einheit.

Gebet

Herr, ich bete für eine friedliche und gerechte Lösung im Nahen Osten. Bitte hilf mir, mich leidenschaftlich für Frieden, Einheit und Versöhnung in Deiner Kirche einzusetzen.

Pippa fügt hinzu

2. Samuel 3,14–16

„Zugleich sandte David Boten zu Sauls Sohn Isch-Boschet mit der Forderung: „Gib mir meine Frau Michal zurück! Ich habe für sie einen Brautpreis bezahlt: die Vorhäute von hundert Philistern." Isch-Boschet ließ Michal von ihrem zweiten Mann Paltiël, einem Sohn Lajischs, wegholen. Der Mann konnte sich aber nicht von ihr trennen. Weinend lief er ihr nach bis Bahurim. Schließlich fuhr Abner ihn an: „Geh endlich zurück!" Da erst kehrte er um.“

Ich weiß, dass Michal vor dem Gesetz David versprochen war, aber ich bin mir nicht sicher, ob das aus seelsorgerlicher Sicht eine kluge Entscheidung war. Ihr armer Ehemann Paltiël schien wirklich verzweifelt. Michal wurde überhaupt nicht gefragt, und David brauchte wohl kaum noch eine Ehefrau; er hatte ja schon sechs (2. Samuel 3,2-5). Sie wäre wahrscheinlich glücklicher gewesen, hätte sie bei Paltiël bleiben dürfen.

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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“) \t Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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