Tag 165

Dein Land kann verändert werden

Weisheit Sprüche 14,25–35
Neues Testament Apostelgeschichte 8,4–40
Altes Testament 2. Samuel 20,1–21,22

Einführung

Zehntausend Prostituierte gingen auf Londons Straßen ihrem Gewerbe nach. Saufgelage und Glückspiel waren an der Tagesordnung. Das Vereinte Königreich des 18. Jahrhunderts war dekadent und unmoralisch, die Zahl der Gottesdienstbesucher sank drastisch (wie auch in den vergangenen Jahrzehnten). Teile der Kirche waren praktisch zum Heidentum zurückgekehrt.

Und doch wandelte sich das Land. Die Predigten von Wesley und Whitefield begannen langsam, Wirkung zu zeigen. Tausende Menschen wurden von ihrer Botschaft angesprochen und begegneten Jesus. 1780 eröffnete Robert Raikes die erste Sonntagsschule. Sie fand viele Nachahmer und so wurden binnen fünf Jahren 300.000 unkirchliche Kinder erreicht. 1910 besuchten 5.668.760 Kinder eine Sonntagsschule. Gott berief Wilberforce, Shaftesbury und andere. Es wurden nicht nur die Herzen einzelner Personen verändert, sondern die Nation als Ganzes.

Heute verändert sich die Welt, in der wir leben, schneller denn je. Die vergangenen fünfundzwanzig Jahre brachten unglaubliche Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Technik mit sich. Weltweit finden in vielen Ländern massive Veränderungen statt. Wie kann das geistliche Klima unserer Nation verändert werden?

Weisheit

Sprüche 14,25–35

25 Ein ehrlicher Zeuge kann Leben retten,
  aber ein falscher Zeuge ist ein gefährlicher Betrüger.

26 Wer den HERRN ehrt, lebt sicher und geborgen;
  auch seine Kinder finden Zuflucht bei ihm.

27 Die Ehrfurcht vor dem HERRN ist eine Quelle des Lebens;
  sie bewahrt vor tödlichen Fallen.

28 Stark und mächtig ist der König, der ein großes Volk regiert,
  aber wie kläglich steht ein Herrscher ohne Untertanen da!

29 Wer seine Gefühle beherrscht, hat Verstand.
  Der Jähzornige stellt nur seine Unvernunft zur Schau.

30 Wer gelassen und ausgeglichen ist, lebt gesund.
  Doch der Eifersüchtige wird von seinen Gefühlen zerfressen.

31 Wer den Armen unterdrückt, verhöhnt dessen Schöpfer.
  Wer dem Hilflosen beisteht, der ehrt Gott.

32 Wer sich von Gott lossagt, kommt durch seine eigene Bosheit um.
  Wer Gott vertraut, ist selbst im Tod noch geborgen.

33 Ein vernünftiger Mensch ist tief in der Weisheit verwurzelt,
  sogar die Unvernünftigen können das erkennen.

34 Gerechtigkeit macht ein Volk groß,
  doch Sünde ist für jedes Volk eine Schande.

35 Ein kluger Diener erntet den Dank des Königs;
  aber für wen er sich schämen muss, den trifft sein Zorn.

Kommentar

Friedliche Menschen

Der Verfasser der Sprüche schreibt, „Gerechtigkeit erhöht ein Volk, die Sünde aber ist für jedes Volk eine Schande“ (14,34). Sünde zerstört ein Land, Gerechtigkeit macht es stark. Gerechtigkeit beinhaltet eine Reihe gesunder Beziehungen:

1. Frieden mit Gott
Gerechtigkeit beginnt damit, dass wir Frieden mit Gott schließen (Römer 5,1). Sie beginnt mit Ehrfurcht vor dem Herrn (im Sinne eines gesunden Respekts vor Gott).

„Wer den Herrn achtet, lebt in Sicherheit; er wird auch seinen Kindern eine sichere Zuflucht sein. Die Ehrfurcht vor dem Herrn ist eine lebensspendende Quelle“ (14,26-27a).

2. Frieden mit anderen
Soweit es an dir liegt, „so habt mit allen Menschen Frieden“ (Römer 12,18; LUT). Gesunde Beziehungen zu anderen Menschen sind gekennzeichnet von gerechten Worten und Taten. Unsere Worte sollen wahr sein, nicht irreführend; denn „ein ehrlicher Zeuge rettet Leben“ (14,25).

Unseren Taten soll man anmerken, dass uns das Wohlergehen des anderen am Herzen liegt. Sei geduldig, nicht jähzornig (14,29); freundlich zu den Bedürftigen. „Wer den Armen unterdrückt, beleidigt seinen Schöpfer, wer aber dem Armen hilft, ehrt Gott“ (14,31). Freue dich über kluge Menschen (14,33.35).

3. Frieden mit uns selbst
Um gerecht sein zu können, müssen wir mit uns selbst im Reinen sein. Diesen Frieden gibt es: „Ein ausgeglichener Sinn erhält den Körper gesund“ (14,30; GNB). Wut, Unversöhnlichkeit, Neid und Eifersucht können körperliche Auswirkungen haben. Dich von den negativen Dingen im Leben frei zu machen, Frieden im Herzen zu finden, ist gut für deine Gesundheit.

Letztlich kommt dieser Frieden daher, dass du zufrieden sowohl mit deiner Gegenwart als auch deiner Zukunft bist. Denn „die Gottesfürchtigen .. haben selbst im Tod noch eine Zuflucht“ (14,32b). Wer Gott ehrt, für den ist Gott sowohl in der Gegenwart eine Zuflucht (14,26) als auch in der Zukunft (32b).

Gebet

Herr, ich bete, dass unser Land sich Dir wieder zuwendet; dass der Name des Herrn wieder in Parlament, Regierung, in den Schulen und Gerichten geehrt wird. Hilf uns, uns besser um die Armen zu kümmern und den Bedürftigen freundlich zu begegnen.

Neues Testament

Apostelgeschichte 8,4–40

Die rettende Botschaft in Samarien

4 Die aus Jerusalem geflohenen Gläubigen verkündeten überall die rettende Botschaft von Jesus. 5 Einer von ihnen war Philippus. Er kam in eine Stadt in Samarien und verkündete den Menschen dort, dass Jesus der von Gott gesandte Retter ist. 6 Die Einwohner hörten ihm aufmerksam zu. Alle waren beeindruckt von seinen Worten und von den Wundern, die er wirkte. 7 Böse Geister wurden ausgetrieben und verließen mit lautem Geschrei ihre Opfer. Es wurden auch viele Menschen geheilt, die gelähmt waren oder andere körperliche Gebrechen hatten. 8 Darüber herrschte große Freude in der ganzen Stadt.

Gottes Geschenk lässt sich nicht kaufen

9 In jener Stadt lebte auch Simon, ein Mann, der seit vielen Jahren Zauberei getrieben und durch seine Künste viele in Erstaunen versetzt hatte. Er behauptete, etwas Besonderes zu sein, 10 und wurde von allen, ob jung oder alt, bewundert. »Dieser Mann ist die große Kraft Gottes in Person!«, sagten die Leute. 11 Sie standen ganz in seinem Bann, weil er sie jahrelang mit seinen Zauberkünsten beeinflusst hatte. 12 Aber nun glaubten sie Philippus, der ihnen die rettende Botschaft von Gottes Reich und von Jesus Christus verkündet hatte. Männer und Frauen ließen sich taufen, 13 unter ihnen auch der Zauberer Simon. Nach seiner Taufe begleitete er Philippus überallhin und sah dabei voller Staunen die großen Zeichen und Wunder, die geschahen.

14 Als nun die Apostel in Jerusalem davon hörten, dass die Leute in Samarien Gottes Botschaft angenommen hatten, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. 15 Die beiden Apostel kamen in die Stadt und beteten für die Gläubigen, dass Gott ihnen seinen Heiligen Geist schenken möge. 16 Denn bisher hatte keiner von ihnen den Geist empfangen; sie waren nur auf den Namen des Herrn Jesus getauft worden. 17 Als ihnen die Apostel nach dem Gebet die Hände auflegten, empfingen sie den Heiligen Geist.

18 Simon hatte dies alles gesehen. Da bot er Petrus und Johannes Geld an 19 und sagte: »Verhelft auch mir dazu, dass jeder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist bekommt.«

20 Doch Petrus wies ihn zurecht: »Fahr zur Hölle mit deinem Geld! Denkst du wirklich, dass man Gottes Geschenk kaufen kann? 21 Für dich gibt es Gottes Gaben nicht, denn du bist ihm gegenüber nicht aufrichtig. 22 Bereu deine Bosheit und kehr um zu Gott! Bitte ihn, dass er dir diese abscheulichen Absichten vergibt. 23 Denn ich sehe, dass dein Denken ganz vergiftet ist. Du bist in deiner Schuld gefangen.«

24 Da rief Simon erschrocken: »Betet ihr für mich zum Herrn, damit mir erspart bleibt, was ihr mir angedroht habt!«

25 Nachdem sie in jener Stadt bezeugt und gepredigt hatten, dass Jesus der Herr ist, kehrten Petrus und Johannes nach Jerusalem zurück. Unterwegs verkündeten sie auch in vielen Dörfern Samariens die rettende Botschaft von Jesus.

Philippus und der äthiopische Hofbeamte

26 Ein Engel des Herrn forderte Philippus auf: »Geh in Richtung Süden, und zwar auf der Straße, die von Jerusalem nach Gaza führt und nur selten genutzt wird.« 27-28 Philippus machte sich sofort auf den Weg. Zur selben Zeit war auf dieser Straße auch ein Mann aus Äthiopien mit seinem Wagen unterwegs. Er war ein Hofbeamter der Königin von Äthiopien, die den Titel Kandake führte, ein Eunuch, der ihr Vermögen verwaltete. Eben kehrte er von Jerusalem zurück, wo er als Pilger im Tempel Gott angebetet hatte. Während der Fahrt las er im Buch des Propheten Jesaja. 29 Da sprach der Heilige Geist zu Philippus: »Geh zu diesem Wagen und bleib in seiner Nähe.«

30 Philippus lief hin und hörte, dass der Mann laut aus dem Buch Jesaja las. Er fragte den Äthiopier: »Verstehst du eigentlich, was du da liest?«

31 »Nein«, erwiderte der Mann, »wie soll ich das denn verstehen, wenn es mir niemand erklärt!« Er bat Philippus, einzusteigen und sich neben ihn zu setzen.

32 Gerade hatte er die Stelle gelesen, wo es heißt:

»Er war stumm wie ein Schaf, das man zur Schlachtung führt.
Und wie ein Lamm, das sich nicht wehrt, wenn es geschoren wird,
hat er alles widerspruchslos ertragen.
33 Er wurde gedemütigt, nicht einmal ein
gerechtes Urteil war er seinen Peinigern wert.
Niemand glaubte, dass er noch eine Zukunft haben würde.
Denn man hat sein Leben auf dieser Erde ausgelöscht.«

34 Der Äthiopier fragte Philippus: »Von wem spricht hier der Prophet? Von sich selbst oder von einem anderen?« 35 Da begann Philippus, ihm die rettende Botschaft von Jesus ausgehend von diesem Prophetenwort zu erklären.

36-37 Als sie schließlich an einer Wasserstelle vorüberfuhren, sagte der äthiopische Hofbeamte: »Dort ist Wasser! Spricht etwas dagegen, dass ich jetzt gleich getauft werde?« 38 Er ließ den Wagen anhalten. Gemeinsam stiegen sie ins Wasser, und Philippus taufte ihn. 39 Nachdem sie aus dem Wasser gestiegen waren, wurde Philippus vom Geist des Herrn an einen anderen Ort versetzt. Der Äthiopier sah ihn nicht mehr, aber er reiste mit frohem Herzen weiter. 40 Philippus wurde danach in Aschdod gesehen. Von da aus zog er nach Cäsarea und verkündete auf dem Weg dorthin in allen Städten die rettende Botschaft von Jesus.

Kommentar

Wirksames Predigen

Die Urgemeinde bestand aus Menschen wie dir und mir. Und trotzdem veränderten sie die Welt. Die ganze bekannte Welt wurde durch Jesu Tod und Auferstehung und die Ausgießung des Heiligen Geistes verändert. Die Apostelgeschichte erzählt davon.

Wo sie hingingen, verkündeten sie die Botschaft von Jesus (8,4). Sie predigten sowohl zu großen Menschenmengen als auch zu einzelnen Personen, wie Simon, dem Magier oder dem äthiopischen Schatzmeister.

Sie predigten das Evangelium in Städten und Dörfern. Philippus predigte einer ganzen Stadt in Samarien (8,5). Petrus und Johannes predigten das Evangelium „in vielen anderen Ortschaften Samariens“ (8,25; NGÜ).

Ihr Predigen war begleitet und wurde verstärkt durch drei Faktoren:

1. Verfolgung
Alles begann mit Verfolgung: „Die über das Land zerstreuten Christen zogen umher und verkündeten die Botschaft Gottes“ (8,4; GNB). Die Zerstreuung brachte großen Segen. Überall, wo sie hingingen, erzählten sie von Christus (8,5).

Immer und immer wieder in der Geschichte der Kirche haben Verfolgung und Widerstand zu unerwartetem Wachstum geführt. Wir lassen uns schnell von Rückschlägen entmutigen, aber hier werden wir erinnert, dass Gott diese Umstände in erstaunlicher Weise zu nutzen vermag.

2. Gebet
In dem Abschnitt sehen wir auch, wie wichtig Gebet ist. Petrus und Johannes beteten für die Samariter, dass sie mit dem Heiligen Geist erfüllt würden (8,15-17).

Simon war ein berüchtigter Magier, der alle mit seinen Zauberkünsten verblüffte. Die Leute aßen ihm förmlich aus der Hand (8,9-11). Er kam zum Glauben und ließ sich taufen, aber lief weiter in seinen alten Wegen; er wollte den Heiligen Geist kaufen (8,19).

Petrus war unbeeindruckt, „Zur Hölle mit dir und deinem Geld! … Bete zum Herrn, dass er dir vielleicht deine bösen Absichten verzeiht! Ich sehe, du bist voller Verkehrtheit“ (8,20-23; GNB).

Simon erkannte, dass nur Gott ihn retten kann und bat Petrus, für ihn zu beten (8,24).

3. Kraft
Die frühe Kirche war gekennzeichnet von enormer Wirksamkeit: „Die Menge hörte [Philippus] bereitwillig zu, und sie sahen auch die Wunder, die er tat. Viele böse Geister wurden ausgetrieben und fuhren mit lautem Geschrei aus. Außerdem wurden viele Menschen geheilt, die gelähmt oder verkrüppelt gewesen waren“ (8,6-7).

Sie verließen sich vollkommen auf den Heiligen Geist. Philippus‘ Begegnung mit dem Äthiopier war kein strategisch geplantes Treffen, sondern „Der Heilige Geist sagte zu Philippus…“ (8,29). Infolge seines Gehorsams kam der Äthiopier erstaunlicherweise zum Glauben, was bis zum heutigen Tag Auswirkung auf ganz Äthiopien hat. Die Kirche, die damals ins Leben gerufen wurde, existiert heute noch.

Der Heilige Geist bewirkt Veränderung. Er kann ein Land verändern. Diese Veränderung beginnt, wenn sich das Leben von Menschen verändert. Deshalb ist es interessant, sich mal genauer anzusehen, was sich bei dem Äthiopier änderte.

Zunächst bereitete Gott sein Herz auf die Begegnung vor. Der Äthiopier gibt seine Unwissenheit ehrlich zu (8,31), er sucht nach Antworten (8,32) und ist nicht zu stolz, um Hilfe zu bitten (8,34). Es ist keine Schande, nicht alles zu verstehen, was wir in der Bibel lesen. Es ist klug, sich von vertrauenswürdigen Menschen helfen zu lassen oder in Bibelkommentaren nachzulesen, damit du das Gelesene auf dein Leben anwenden kannst.

Zweitens wirkt der Geist Gottes durch Gottes Wort. Während der Äthiopier im Buch Jesaja liest, findet er erste Antworten (8,32-33). Es kommt häufig vor, dass der Heilige Geist Menschen benutzt, dass sie anderen helfen zu verstehen, zu erklären und anzuwenden, was in der Heiligen Schrift steht. Und genau das passiert hier. Beginnend bei Jesaja 53 erklärt Philippus „ihm die gute Botschaft von Jesus“ (8,35).

Der Heilige Geist verwandelt das Herz des Äthiopiers so vollkommen und radikal, dass er sofort glaubt und getauft werden möchte. Keiner vermag mehr Veränderung zu bewirken als der Heilige Geist.

Gebet

Herr, hilf uns, mehr wie die Christen der frühen Kirche zu sein. Hilf uns mehr zu beten und uns vom Heiligen Geist führen zu lassen, einen Tag nach dem anderen. Ich bete, dass unser Land verändert wird mit jedem weiteren Menschen, der Dich kennenlernt.

Altes Testament

2. Samuel 20,1–21,22

Schebas Aufstand

1 Unter den Streitenden war ein niederträchtiger Mann namens Scheba aus dem Stamm Benjamin, ein Sohn von Bichri. Laut blies er das Horn und rief:

»Ihr Männer von Israel,
was geht uns dieser David noch an?
Wir wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben!
Los, geht nach Hause!«

2 Da sagten sich alle Israeliten von David los und schlossen sich Scheba an. Nur die Männer vom Stamm Juda blieben bei ihrem König und begleiteten ihn vom Jordan bis nach Jerusalem.

3 Als David in seinem Palast angekommen war, ordnete er an, was mit den zehn Nebenfrauen geschehen sollte, die er in Jerusalem zurückgelassen hatte: Sie mussten von jetzt an in einem bewachten Haus wohnen und durften es nicht verlassen. Der König versorgte sie mit allem Nötigen, aber er schlief nie mehr mit ihnen. Sie waren für immer eingeschlossen und lebten einsam wie Witwen.

4 Dann befahl David seinem Heerführer Amasa: »Ruf alle Soldaten aus Juda zusammen! In spätestens drei Tagen will ich dich und die Truppen hier in Jerusalem sehen!« 5 Amasa machte sich sofort auf den Weg. Als er aber nach der festgesetzten Zeit nicht erschienen war,

6 sagte David zu Abischai: »Jetzt wird Scheba für uns noch gefährlicher als Absalom. Nimm mit meinen Männern die Verfolgung von Scheba auf. Er darf nicht die befestigten Städte in seine Gewalt bringen, denn damit würde er uns einen schweren Schlag versetzen.« 7 Da verließen Joabs Soldaten sowie die königliche Leibwache und die Elitetruppe des Königs Jerusalem, um Scheba, dem Sohn von Bichri, nachzujagen.

8 Als sie den großen Stein bei Gibeon erreichten, trafen sie Amasa, der kurz vor ihnen dort angekommen war. Joab hatte seine Waffenrüstung angelegt. Um die Hüfte trug er einen Gürtel mit einem Dolch. Während er auf Amasa zuging, nahm er unbemerkt den Dolch in die linke Hand.

9 »Wie geht es dir, mein Freund?«, begrüßte er Amasa und fasste mit der rechten Hand dessen Bart, als wolle er ihm einen Kuss geben. 10 Amasa aber hatte den Dolch nicht gesehen, den Joab in der anderen Hand hielt. Da stieß Joab ihm die Waffe mit solcher Wucht in den Bauch, dass die Därme heraushingen. Er brauchte kein zweites Mal zuzustechen, denn Amasa war sofort tot. Joab und sein Bruder Abischai nahmen die Verfolgung von Scheba wieder auf.

11 Einer von Joabs Männern blieb bei der Leiche und rief allen Soldaten, die vorbeikamen, zu: »Hältst du zu Joab? Bist du auf Davids Seite? Dann folge Joab!« 12 Doch einer nach dem anderen blieb erschüttert stehen, als er Amasas blutüberströmte Leiche mitten auf dem Weg liegen sah. Da schleifte der Soldat den Toten weg auf ein Feld und warf einen Mantel über ihn, damit die Männer sich nicht durch seinen Anblick aufhalten ließen. 13 Nachdem die Leiche weg war, eilten alle Joab nach, um unter seiner Führung Scheba, den Sohn von Bichri, zu verfolgen.

14 Scheba war inzwischen durch ganz Israel bis zur Stadt Abel-Bet-Maacha im Norden des Landes gezogen. Die Männer der Sippe Bichri hatten sich ihm angeschlossen und folgten ihm dorthin. 15 Als nun Joab und seine Soldaten die Stadt erreicht hatten und hörten, dass Scheba sich dort aufhielt, begannen sie mit der Belagerung. Sie schütteten einen Wall auf und gelangten so über die Vormauer. Dann fingen sie an, die Hauptmauer zu untergraben, um sie zum Einsturz zu bringen. 16 In der Stadt wohnte eine sehr kluge Frau. Von der Mauer aus rief sie den Belagerern zu: »Hört her! Ruft bitte Joab zu mir, ich möchte mit ihm reden!« 17 Als er an die Mauer gekommen war, fragte sie: »Bist du Joab?«

»Ja, der bin ich«, antwortete er.

Sie bat: »Ich muss mit dir sprechen, bitte hör mich an!«

»Gut«, erwiderte er,

18 und sie brachte ihr Anliegen vor: »Früher sagte man bei uns: ›Hol dir Rat in Abel, und du bist gut beraten!‹ 19 Unsere Stadt ist eine der friedlichsten Städte Israels, immer konnte man auf sie zählen. Sie wird sogar ›Mutter in Israel‹ genannt. Und nun willst du sie zerstören? Wie kommst du dazu, das Eigentum des HERRN zu vernichten?«

20 Joab entgegnete: »Nie und nimmer würde ich eure Stadt zerstören! 21 Ich bin aus einem anderen Grund hier: Ein Mann vom Gebirge Ephraim hat einen Aufstand gegen unseren König angezettelt. Er heißt Scheba und ist Bichris Sohn. Ihn allein suchen wir. Liefert ihn uns aus – und wir lassen die Stadt in Ruhe!«

»Einverstanden, man wird dir seinen Kopf über die Mauer zuwerfen!«, erwiderte die Frau.

22 Sie redete mit den Einwohnern Abel-Bet-Maachas und setzte mit ihrer Klugheit ihren Plan durch: Man enthauptete Scheba und warf seinen Kopf zu Joab hinaus. Dieser blies das Horn als Zeichen zum Aufbruch, und die Soldaten kehrten in ihre Heimatorte zurück. Joab aber ging nach Jerusalem zu König David.

Die obersten Beamten Davids

23 Joab war der oberste Befehlshaber über das ganze israelitische Heer. Benaja, ein Sohn von Jojada, hatte den Befehl über die Leibwache des Königs. 24 Adoniram war Aufseher über die Zwangsarbeiter. Joschafat, ein Sohn von Ahilud, war Berater des Königs, 25 Schewa war Hofsekretär. Zadok und Abjatar waren die obersten Priester, 26 und auch Ira aus Jaïr hatte den Rang eines Priesters.

Ein Verbrechen von Saul wird gesühnt

21 1 Während Davids Regierungszeit brach im Land eine Hungersnot aus, die drei Jahre dauerte. David flehte deswegen zum HERRN, und der HERR antwortete: »Die Hungersnot hört nicht auf, weil Saul damals ein Blutbad unter den Gibeonitern angerichtet hat.«

2 Da ließ der König die Gibeoniter zu sich kommen, um mit ihnen zu reden. Sie waren keine Israeliten, sondern gehörten zu den Amoritern, die früher das Land bewohnt hatten. Als die Israeliten Kanaan in Besitz nahmen, hatten sie den Gibeonitern geschworen, sie am Leben zu lassen. Saul aber, der sich voller Eifer für Juda und Israel einsetzte, hatte versucht, sie auszurotten. 3 David fragte die Gibeoniter: »Wie kann ich das Unrecht sühnen, das ihr erleiden musstet? Was soll ich für euch tun, damit ihr das Land wieder segnet, das der HERR uns für immer geschenkt hat?«

4 Sie erwiderten: »Mit Silber und Gold lässt sich nicht wiedergutmachen, was Saul und seine Familie uns angetan haben; und wir haben auch nicht das Recht, irgendjemanden aus Israel dafür umzubringen.«

»Was kann ich dann für euch tun?«, wollte David wissen.

5 Da sagten die Gibeoniter: »Saul plante unseren Untergang, er wollte uns vernichten, damit es in ganz Israel niemanden mehr von uns gibt. 6 Darum liefere nun sieben männliche Nachkommen von Saul an uns aus. Wir wollen sie aufhängen, um den Zorn des HERRN abzuwenden, und zwar in Gibea, der Heimatstadt von Saul, den der HERR damals als König erwählt hat.«

»Ich werde sie euch ausliefern«, versprach David ihnen.

7 Er hatte aber Sauls Sohn Jonatan im Namen des HERRN geschworen, seine Nachkommen nie auszurotten. Darum wollte er Mefi-Boschet, Jonatans Sohn, auf jeden Fall verschonen. 8 David suchte Armoni und Mefi-Boschet aus, die beiden Söhne von Sauls Nebenfrau Rizpa, einer Tochter von Ajja, und die fünf Söhne von Sauls Tochter Merab, die mit Adriël aus Mehola, einem Sohn von Barsillai, verheiratet war. 9 Er übergab sie den Gibeonitern. Alle sieben wurden am selben Tag auf dem Berg bei Gibea aufgehängt, um den Zorn des HERRN abzuwenden. Man richtete sie hin, als die Gerstenernte gerade begonnen hatte.

10 Rizpa, die Tochter von Ajja, ging zu dem Felsen, auf dem die sieben gestorben waren, breitete dort einen Sack auf dem Boden für sich aus und bewachte die Toten. Tagsüber verscheuchte sie die Raubvögel, und nachts hielt sie die wilden Tiere von den Leichen fern. Vom Anfang der Ernte im Frühjahr bis zum ersten Regen im Herbst harrte sie dort aus. 11 Als David erfuhr, was Sauls Nebenfrau Rizpa tat,

12-14 ließ er Sauls Gebeine und die seines Sohnes Jonatan aus Jabesch in Gilead holen, um sie im Familiengrab von Sauls Vater Kisch beizusetzen. Bei der Schlacht auf dem Gilboagebirge hatten die Philister die Israeliten besiegt und Sauls und Jonatans Leichen auf dem Marktplatz von Bet-Schean aufgehängt. Die Bürger von Jabesch in Gilead waren dann heimlich gekommen und hatten die Toten mitgenommen. Auch die sieben Erhängten ließ David vom Berg holen und im Familiengrab bestatten. Das Grab lag in Zela, einem Dorf im Stammesgebiet von Benjamin. Als alle Befehle Davids ausgeführt waren, erhörte Gott die Gebete für das Land und machte der Hungersnot ein Ende.

Kriege gegen die Philister

15 Wieder einmal herrschte Krieg zwischen den Philistern und Israel. David zog mit seinem Heer aus, und es kam zur Schlacht. Als David vom Kampf erschöpft war, 16 griff ein Philister namens Jischbi-Benob ihn an und wollte ihn umbringen. Jischbi-Benob war ein Nachkomme von Rafa, ein Riese. Er war bewaffnet mit einem neuen Schwert und mit einem Speer, dessen bronzene Spitze allein fast vier Kilogramm wog. 17 Doch Abischai, der Sohn von Davids Schwester Zeruja, kam David zu Hilfe und tötete den Philister. Nach dieser Schlacht musste David seinen Männern versprechen, in Zukunft nicht mehr selbst in den Krieg zu ziehen. Sie sagten zu ihm: »Wir wollen dich nicht verlieren, denn du bist die leuchtende Hoffnung unseres Volkes.«

18 Kurze Zeit später kämpften die Israeliten in der Nähe von Gob gegen die Philister. Dabei tötete Sibbechai, der Huschatiter, den Riesen Saf.

19 In einer weiteren Schlacht bei Gob gegen die Philister erschlug Elhanan aus Bethlehem, der Sohn von Jaïr, den Bruder von Goliat aus Gat; dessen Speer war so dick wie ein kleiner Baum.

20 Einmal kam es bei Gat zum Kampf. Einer der Philister, ein Nachkomme von Rafa, war sehr groß. An jeder Hand hatte er sechs Finger und an jedem Fuß sechs Zehen. 21 Er machte sich über die Israeliten lustig, doch Jonatan, ein Sohn von Davids Bruder Schamma, tötete ihn.

22 Diese vier Riesen waren Nachkommen von Rafa und kamen aus Gat. Sie wurden von David und seinen Soldaten umgebracht.

Kommentar

Leidenschaftliches Gebet

Die Kämpfe in Davids Leben wollen kein Ende nehmen. Im heutigen Abschnitt folgen die nächsten beiden.

Da ist zunächst „ein Unruhestifter… namens Scheba” (20,1). Es dünkt wie ein Echo des Ärgers mit Absalom (16,22). Das Volk Israel scheint ausgesprochen wankelmütig zu sein: „Da sagten sich alle Israeliten von David los und schlossen sich Scheba an“ (20,2; Hfa). Der Herr schenkte David den Sieg über Scheba, aber die nächste Schlacht wartet bereits hinter der nächsten Ecke.

Drei Jahre lang herrschte eine Hungersnot (21,1a). Als die Lage im Land immer kritischer wird „befragte David den Herrn deswegen“ (1b). Manchmal braucht es eine richtige Katastrophe, dass wir auf die Knie gehen und beten. Gott redete zu ihm, während er betete.

Er band Israel an den Vertrag, den sie mit den Gibeonitern geschlossen hatten (Josua 9). Trotz eines Versprechens hatte Saul versucht, sie auszulöschen, doch die Schwüre, die wir Gott leisten sind ernst zu nehmen und können nicht einfach gebrochen werden. (Die heute geläufigsten Eide werden bei Trauungen oder im Gerichtsaal gesprochen.) Erst nachdem David alles so gemacht hatte, wie sie es Gott geschworen hatten, erhörte Gott die Gebete für das Land (21,14).

Gebet

Herr, im Namen unseres Landes suche ich Dein Angesicht. Sei uns gnädig. Bitte hilf uns, ein Land zu werden, das Dich ehrt, indem wir unsere Eheversprechen halten und im Gericht die Wahrheit sagen. Herr, wir bitten Dich, erhöre unsere Gebete für unser Land. Ich bete, dass sich unsere Nation Dir wieder zuwendet; dass Dein Name geehrt wird; dass Dein Reich kommt.

Pippa fügt hinzu

Apostelgeschichte 8,39–40

„Der Geist Gottes nahm Philippus fort … Philippus fand sich in der Stadt Aschdod wieder.“

Ich bin mir unschlüssig, ob es spannend, furchterregend oder einfach nur praktisch wäre, in dem einen Augenblick hier in unserer Gemeinde in London und im nächsten Moment in Brighton zu sein! Das erlebe ich nur, wenn ich beim Fahren mit den Gedanken ganz woanders bin und mich plötzlich an einem völlig falschen Ort wiederfinde!

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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“) \t Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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