Tag 241

Gerechte Liebe

Weisheit Sprüche 21,13+15
Neues Testament 2. Korinther 2,3-11
Altes Testament 2. Chronik 32,7-8+22-23

Einführung

Die Leiterin des Gefängnisses war eine ausgesprochen beeindruckende, dynamische, eloquente, junge afroamerikanische Frau, die von allen „Chief Jennifer“ genannt wurde.

Am Anfang unseres Besuches traf sich unser Team mit der Gefängnisleitung. Chief Jennifer begrüßte uns mit den Worten, „Seid gegrüßt im Namen unseres Herrn und Retters Jesus Christus.“

Sie berichtete uns, dass in den USA 2,5 Mio. Menschen inhaftiert seien, von denen jeder einzelne den Steuerzahler jährlich $ 24.000 kostete. Nur 3% von ihnen säßen bis zu ihrem Tod ein; 97% der derzeit Inhaftierten würden früher oder später wieder in die Gesellschaft entlassen. Deshalb gebe es über ihren persönlichen Wunsch als Christin hinaus eine gute säkulare Motivation, dass sich im Leben der Gefangenen etwas verändere und sie Erlösung erlebten.

Das Gefängnis wird nicht nur gerecht (nach Recht und Gesetz) sondern auch mit Liebe geführt. Jede falsche Haltung und Handlung wird in Liebe angesprochen. Keine Schimpfwörter, kein Graffiti sondern erlernter, respektvoller Umgang miteinander. Wir verbrachten einige Zeit mit einer Gruppe von Männern, die kürzlich Alpha beendet hatten, und hörten uns an, wie sich ihr Leben verändert hatte.

Gott ist Liebe. Er ist auch gerecht. In seinem Buch Justice in Love schreibt Nicholas Wolterstorff, dass Gerechtigkeit ein notwendiger Bestandteil einer gesunden Vorstellung von Liebe ist.

Weisheit

Sprüche 21,13+15

13 Wer sich beim Hilferuf eines Armen taub stellt,
  wird selbst keine Antwort bekommen, wenn er Hilfe braucht.

15 Wenn das Recht beachtet wird, freut sich ein ehrlicher Mensch;
  aber für einen Übeltäter bedeutet es Angst und Schrecken.

Kommentar

Gerechtigkeit und Armut

Eine Gesellschaft ohne Recht und Gesetz ist ein furchteinflößender Ort zum Leben. Wenn dem Bösen kein Einhalt geboten wird, leiden darunter besonders die Armen. Wir sehen die schrecklichen Folgen von Unrecht in vielen Staaten dieser Erde.

Wo das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit regiert, gibt es einen doppelten Nutzen: „Wenn das Recht beachtet wird, freut sich ein ehrlicher Mensch; aber für einen Übeltäter bedeutet es Angst und Schrecken“ (21,15; Hfa).

Gerechtigkeit hat zur Folge, dass sich die Menschen sicher und geschützt fühlen – besonders die Armen. Ein möglicher Grund, warum unser Gebet bisher nicht erhört wurde, könnte sein, dass wir die Rufe der Armen ignoriert haben: „Wer seine Ohren vor den Bitten der Armen verschließt, dem wird auch nicht geholfen werden, wenn er selbst in Not ist“ (21,13).

Gebet

Herr, ich bete für Gerechtigkeit in dieser Welt. Ich bete für die, die Gerechtigkeit in jene Teile der Erde bringen wollen, in denen Unrecht herrscht.

Neues Testament

2. Korinther 2,3-11

3 Genau das habe ich euch ja in meinem Brief geschrieben. Ich wollte nicht zu euch kommen und erleben, wie gerade die Menschen, die mir Freude bereiten sollten, mich traurig machen. Denn ich bin mir sicher, dass auch ihr euch freut, wenn ich mich freuen kann. 4 In großer Sorge, mit schwerem Herzen und unter Tränen hatte ich euch geschrieben. Aber ich wollte euch damit nicht verletzen. Im Gegenteil! Ihr solltet vielmehr erkennen, wie sehr ich gerade euch liebe.

5 Wer anderen Kummer bereitet hat, der hat nicht nur mich traurig gemacht, sondern euch alle – oder doch fast alle, um nicht zu übertreiben. 6 Die meisten von euch haben sein Verhalten bestraft, damit soll es gut sein. 7 Jetzt müsst ihr ihm vergeben und ihn ermutigen, denn er soll nicht verzweifeln. 8 Deshalb bitte ich euch: Entschließt euch dazu, ihm wieder eure Liebe zu zeigen. 9 Der Zweck meines Briefes ist ja erreicht; ich wollte nämlich sehen, ob ihr euch bewährt und meine Anweisungen befolgt. 10 Wem ihr vergebt, dem vergebe ich auch. Wenn ich etwas zu vergeben hatte, dann habe ich es um euretwillen vor Christus längst getan. 11 Denn wir kennen die Absichten Satans nur zu genau und wissen, wie er uns zu Fall bringen möchte. Aber das soll ihm nicht gelingen.

Kommentar

Gerechtigkeit und Vergebung

Viele von uns gehen Konflikten lieber aus dem Weg. Mir geht es genauso. Es ist nicht allein die Angst, abgelehnt zu werden oder mich unbeliebt zu machen, sondern auch die Angst, dass ich die Situation dadurch noch schlimmer mache, Wut und Ablehnung dadurch erst richtig anfache.

Andere haben dagegen scheinbar ihre wahre Freude an Konflikten. Wenn wir uns auf Auseinandersetzungen freuen, es leicht finden, andere zu korrigieren und zu kritisieren, tun wir das möglicherweise nicht aus Liebe.

Paulus empfand eine tiefe Liebe für die Korinther. Trotzdem scheute er sich nicht, Konflikte anzusprechen. Er tat es aus Liebe, aber es ist ihm „unendlich schwer gefallen“, es tat ihm „im Herzen weh, so sehr, dass [er] weinen musste“ (2,4a). „Aber ich wollte euch damit nicht verletzen. Im Gegenteil! Ihr solltet vielmehr erkennen, wie sehr ich gerade euch liebe“ (2,4b; Hfa).

Es mag sehr schmerzhaft sein, Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren. Die Wahrheit kann weh tun wie ein chirurgischer Eingriff, aber sie bringt Heilung. Solche Operationen müssen mit Liebe durchgeführt werden. Wir wissen nicht genau, auf was oder wen sich Paulus hier bezieht. Es könnte sich jedoch um den Mann handeln, den Paulus in 1. Korinther 5,1-5 angesprochen hatte (der mit der Frau seines Vaters zusammenlebte).

Paulus hatte darauf bestanden, dass er aus der Gemeinde ausgeschlossen wird. Nun sagt er, dass der Mann genug bestraft sei. Er drängt sie, ihm zu vergeben, ihn zu trösten und ihm zu zeigen, dass sie ihn immer noch lieben (2,7-8). Der Gerechtigkeit wurde genüge getan. Jetzt sind Barmherzigkeit, Gnade und Vergebung angesagt.

Paulus ist schnell bereit zu vergeben: „Wenn ihr diesem Mann vergebt, vergebe ich ihm auch. Denn wenn ich etwas vergeben habe - was immer es auch war -, tat ich es in der Vollmacht Christi zu eurem Besten“ (2,10). Wenn Paulus etwas vergab, vergaß er es; er konnte sich kaum erinnern, was es gewesen war.

Clara Barton, die Gründerin des Amerikanischen Roten Kreuzes wurde einmal von einer engen Freundin an etwas Schlimmes erinnert, das ihr vor Jahren zugefügt worden war. Doch Clara schien sich gar nicht mehr an den Vorfall erinnern zu können.

„Kannst du dich wirklich nicht mehr an das Unrecht erinnern, das dir angetan wurde?“ fragte die Freundin beinahe insistierend.

„Nein,“ erwiderte Clara ruhig. „Ich erinnere mich aber genau, dass ich es vergessen habe.“

Vergebung ist in der christlichen Kirche und in Gemeinden unerlässlich. Ein Mangel an Vergebungsbereitschaft öffnet dem Teufel und seine Machenschaften Tür und Tor, Vergebungsbereitschaft schließt ihn aus: „Der Satan soll uns nicht überlisten. Wir wissen doch genau, was für Absichten er verfolgt!“ (2,11).

Gebet

Herr, bitte hilf uns dabei, die Absichten des Teufels zu erkennen. Hilf uns, einander bereitwillig zu vergeben und zu lieben, damit der Satan aus unseren Gemeinden ausgeschlossen bleibt.

Altes Testament

2. Chronik 32,7-8+22-23

7 »Seid mutig und entschlossen! Lasst euch nicht einschüchtern vom assyrischen König und seinem großen Heer! Denn auf unserer Seite steht einer, der viel mächtiger ist als er. 8 Für den König von Assyrien kämpfen nur Menschen. Wir aber haben den HERRN, unseren Gott, auf unserer Seite! Er will uns helfen, er wird für uns kämpfen!« Das Volk vertraute seinem König und fasste neuen Mut.

22 So rettete der HERR König Hiskia und die Einwohner Jerusalems vor Sanherib, dem König von Assyrien. Auch vor den Angriffen anderer Völker bewahrte er sie und schenkte ihnen ringsum Frieden. 23 Viele Menschen kamen nach Jerusalem, um dem HERRN Opfergaben zu bringen und um Hiskia, dem König von Juda, kostbare Geschenke zu überreichen. Seit der Vernichtung der Assyrer genoss Hiskia in den Augen aller Völker hohes Ansehen.

Kommentar

Gerechtigkeit und Konfrontation

Gott selbst scheut die Auseinandersetzung nicht! In diesem Abschnitt sehen wir, wie Er in Seiner Liebe einerseits einen grundsätzlich guten Anführer mit dessen Stolz konfrontiert, und später einen bösen Anführer zur Umkehr leitet.

Es tut so gut, von einem guten König zu lesen. Hiskia baute den Tempel wieder auf. Er leitete durch sein gutes Vorbild – er steuerte von seinem Besitz bei (31,3). Das Volk tat es ihm großzügig nach (31,5). Und der Herr segnete sie; sie hatten reichlich zu essen und es blieb noch etwas übrig (31,10).

„In allem, was [Hiskia] für das Haus Gottes tat, und in seinem aufrichtigen Bemühen, das Gesetz und die Gebote zu halten, suchte Hiskia seinen Gott von ganzem Herzen. Und ihm glückte alles, was er unternahm“ (31,21).

Das alles bewahrte Hiskia nicht davor, angegriffen zu werden. Als der Angriff durch Sanherib jedoch dann kam, inspirierte er sein Volk: „„Seid zuversichtlich und mutig! Habt keine Angst … denn auf unserer Seite steht eine weit größere Macht! Er hat nur Menschen auf seiner Seite. Uns aber hilft der Herr, unser Gott; er kämpft für uns!“ Und das Volk glaubte den Worten von Hiskia, dem König von Juda“ (32,7-8).

Wir stehen in unserem Leben manchem schier unüberwindbarem Problem gegenüber. In England beispielsweise sehen sich Christen als kleine Minderheit einer großen säkularen, Gott ablehnenden Mehrheit gegenüber. Die gute Nachricht aber ist, dass die größere Macht auf unserer Seite steht und auf der anderen „nur Menschen“. „Uns aber hilft ..unser Gott; er kämpft für uns“ (32,8).

Erfolg birgt immer die Gefahr , dass wir stolz werden. Die Leute sehen zu ihren Leitern auf. Tatsächlich sollen wir unsere Leiter ja auch ehren. Jeder Leiter muss sich aber der Tatsache bewusst sein, dass mit dieser Ehre die Gefahr des Stolzes einhergeht. Wenn sich Stolz eingeschlichen hat, tu rasch Buße und komm auf den Boden zurück.

Mit seinem Erfolg wurde Hiskia hochmütig. Glücklicherweise „bereute Hiskia seine Überheblichkeit“ (32,26), als Gott ihn damit konfrontierte, und segnete ihn mit „Reichtum und Ehre“ (27a; LUT). „In allem, was er tat, hatte er Erfolg“ (32,30).

Aus für uns unersichtlichem Grund „zog Gott sich von Hiskia zurück, um ihn auf die Probe zu stellen und zu sehen, wie es in seinem Herzen aussah“ (32,31). Es war eine dunkle Nacht der Seele.

Lass dich in Zeiten, in denen du Gottes Gegenwart nicht spürst, nicht entmutigen. Manchmal schweigt Gott und ist für uns nicht wahrnehmbar. Bleibe Ihm treu, wenn Er dein Herz prüft. Hiskia hatte ein gutes Herz – er tat viel Gutes in seinem Leben (32,32) und wurde geehrt, als er starb (32,33).

Das Leben seines Sohnes hingegen war offenbar das krasse Gegenteil. Manasse tat von Anfang an, „was dem Herrn missfiel“ (33,2a). Tatsächlich gab es kaum jemanden, der schlimmer war als Manasse. „Er verbrannte seine Söhne .. als Opfer, trieb Zauberei, Wahrsagerei und Magie und ließ sich von Totenbeschwörern und Hellsehern die Zukunft voraussagen. So tat er vieles, was der Herr verabscheute, und forderte seinen Zorn heraus“ (33,6; Hfa).

Aber niemand ist unerreichbar für die Erlösung. Wie tief wir auch fallen – wenn wir wie Manasse bereuen und zu Gott umkehren, können wir Vergebung empfangen.

Gott konfrontierte Manasse: „In dieser verzweifelten Lage suchte Manasse Hilfe beim Herrn…Er beugte sich tief vor ihm und flehte ihn um Erbarmen an. Und Gott erhörte sein Gebet: Er ließ ihn wieder nach Jerusalem zurückkehren und als König weiterregieren.“ (33,12-13; GNB).

Das ist einer der Gründe, warum ich so gerne Gefängnisse besuche. Niemand ist unerreichbar für die Erlösung. Mit Seinem Tod am Kreuz hat Jesus das möglich gemacht. Oder wie John Eddison sagt, „Liebe und Gerechtigkeit verbinden sich, Wahrheit und Barmherzigkeit treffen aufeinander.”

Gebet

Herr, ich danke Dir, dass wir am Kreuz sowohl Deine Liebe als auch Deine Gerechtigkeit sehen. Danke, dass Du gnädig mit mir bist. Bitte hilf mir, Deine Liebe sichtbar werden zu lassen und Deine Gerechtigkeit in die Welt zu tragen – in Jesu Namen.

Pippa fügt hinzu

Sprüche 21,9

„Es ist besser, allein in der Wüste zu leben, als sein Leben mit einer verärgerten und nörgelnden Frau zu verbringen.“

… oder mit einem nörgelnden Ehemann!

Thought for the Day

Lass dich in Zeiten, in denen du Gottes Gegenwart nicht spürst, nicht entmutigen. Bleibe Ihm treu, wenn Er dein Herz prüft.

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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“) \t Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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