Tag 109

Es ist nie zu spät

Weisheit Sprüche 10,2+9
Neues Testament Lukas 18,35,40–42, 19,1-10
Altes Testament 5. Mose 29,28 und 30,2-3

Einführung

Ich zähle mich gern zu den jungen Menschen. Neulich aber hörte ich, dass man bei 35–58-Jährigen von „Menschen mittleren Alters“ spricht. Nach dieser Definition bin ich nicht nur nicht mehr jung, sondern gehöre nicht einmal mehr zu den Menschen mittleren Alters!

Häufig verbinden wir „mittleres Alter“ mit „Midlife-Krise“. Eine Krise in der Lebensmitte kann durch das Älterwerden selbst ausgelöst werden oder in Kombination mit Veränderungen und Problemen, oder dem Bedauern über frühere Entscheidungen in Beruf, Kariere, in Beziehungen und der Erziehung sowie den körperlichen Veränderungen, die mit dem Älterwerden einhergehen.

In einer Midlife-Krise sucht der Betroffene häufig nach einem unbestimmten Traum oder Ziel. Auch kann die Krise mit einem tiefen Bedauern über nicht erreichte Ziele einhergehen. Möglicherweise fühlt man sich durch erfolgreichere Kollegen zurückgesetzt. Oft hat man den Wunsch, sich wieder jung zu fühlen.

Die eigentliche Ursache ist das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Eine Midlife-Krise wird nicht selten von der geradezu tragischen Erkenntnis begleitet, dass Vieles, nach dem man sein Leben lang gestrebt hat, für die Leere, die man nun empfindet, verantwortlich ist (auch wenn es nicht immer in besonders kluger Weise ersetzt wird).

Ich habe mich oft gefragt, ob Zachäus, über den wir heute im Neuen Testament lesen, wohl gerade in einer Midlife-Krise steckte. In jedem Fall aber bekam er bei seiner Begegnung mit Jesus die Antwort, nach der so viele Menschen suchen.

Es ist egal, wie lange du schon in die verkehrte Richtung läufst, du kannst jederzeit umkehren. Bei Jesus ist es nie zu spät für einen Neuanfang, um deinem Lebensweg die richtige Richtung zu geben.

Weisheit

Sprüche 10,2+9

2 Unrecht erworbener Besitz ist zu nichts nütze,
 aber Ehrlichkeit rettet vor dem Verderben.
9 Wer ehrlich ist, lebt sicher und gelassen;
 wer aber krumme Wege geht, wird irgendwann ertappt.

Kommentar

Mach den „Schaukelstuhl-Test”

Ein erfolgreicher Geschäftsmann, der für seine außerordentliche Integrität bekannt ist, hat mir erzählt, dass er auf alle Entscheidungen den „Schaukelstuhl-Test“ anwende. Er sieht sich dabei gedanklich als Rentner im Schaukelstuhl und blickt zurück auf seine Entscheidungen. Welche wird er dann für gut, welche für schlecht betrachten? Damit will er sichergehen, dass er mit den Entscheidungen von heute später guten Gewissens leben kann.

Dieser Abschnitt zeigt uns, was bzw. wen wir meiden sollen, z.B. „Untätige Hände“ (10,4), einen Menschen, der uns „mit den Augen zuzwinkert, [aber] andere in Schwierigkeiten bringen“ will (10,10) und „uneinsichtige Schwätzer“10,8.10; alle GNB).

Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit sind der Schlüssel zu einem Leben ohne Reue. Durch „Unrecht erworbener Besitz schadet nur, aber Ehrlichkeit rettet vor dem Verderben“ (10,2; Hfa). „An einen aufrichtigen Menschen erinnert man sich auch nach seinem Tod noch gerne; Gottlose dagegen sind schnell vergessen“ (10,7; Hfa).

Wenn du „ein vorbildliches Leben“ führst, lebst du sicher, „krumme Wege“ aber werden „bestraft“ (10,9).

Gebet

Herr, hilf mir heute, klug und gerecht zu handeln (10,3.7), Bosheit (10,10) und faules Geschwätz (10,8.10) zu vermeiden, „fleißig“ zu sein (10,4) und „ein vorbildliches Leben [zu] führen“ (10,9).

Neues Testament

Lukas 18,35,40–42, 19,1-10

35 Jesus und seine Jünger waren unterwegs nach Jericho. In der Nähe der Stadt saß ein Blinder an der Straße und bettelte. 40 Jesus blieb stehen und ließ den Mann zu sich führen. Als dieser nahe herangekommen war, fragte Jesus ihn: 41 »Was soll ich für dich tun?« »Herr«, flehte ihn der Blinde an, »ich möchte sehen können!«
42 »Du sollst sehen können!«, sagte Jesus zu ihm. »Dein Glaube hat dich geheilt.«

19 1 Jesus zog mit seinen Jüngern durch Jericho. 2 Dort lebte ein sehr reicher Mann namens Zachäus, der oberste Zolleinnehmer. 3 Zachäus wollte Jesus unbedingt sehen; aber er war sehr klein, und die Menschenmenge machte ihm keinen Platz. 4 Da
rannte er ein Stück voraus und kletterte auf einen Maulbeerfeigenbaum, der am Weg stand. Von hier aus hoffte er, einen Blick auf Jesus werfen zu können.
5 Als Jesus dort vorbeikam, schaute er hinauf und rief: »Zachäus, komm schnell herunter! Ich soll heute dein Gast sein!« 6 Eilig stieg Zachäus vom Baum herunter und nahm Jesus voller Freude mit in sein Haus.
7 Als die Leute das sahen, empörten sie sich über Jesus: »Wie kann er das nur tun? Er lädt sich bei einem Gauner und Betrüger ein!«
8 Zachäus aber wandte sich an Jesus und sagte: »Herr, ich werde die Hälfte meines Vermögens an die Armen verteilen, und wem ich am Zoll zu viel abgenommen habe, dem gebe ich es vierfach zurück.«
9 Da entgegnete ihm Jesus: »Heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus leben, Rettung gebracht. Denn auch du bist ein Nachkomme von Abraham. 10 Der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten.«

Kommentar

Gib deinem Leben die richtige Richtung

Jesus ist gekommen, um uns zu erlösen und zu verändern.

Er nimmt die Zwölf beiseite (18,31) und erklärt ihnen, dass Er auf Seinem Weg zum Ziel „verspottet, gedemütigt und angespuckt“ (18,32), ausgepeitscht und getötet werden wird (18,33). Aber „am dritten Tag wird er wieder auferstehen“ (18,33). Jesu Kreuzigung und Auferstehung sind es, die jedem Menschen eine Hoffnung geben.

Der blinde Mann ist ein Beispiel für jemanden, dessen Leben vollkommen verwandelt wurde durch eine Begegnung mit Jesus. Ein Mann, dessen Leben nur noch darin bestand, bettelnd am Wegrand zu sitzen, wird verändert, als er Jesus um Gnade anruft. Jesus erwidert ihm, „Du sollst wieder sehen können. Dein Glaube hat dich gerettet“ (18,42). Die Heilung erfolgte prompt: „Und augenblicklich konnte der Mann sehen. Er folgte Jesus und lobte Gott“ (18,43).

Dann begegnet Zachäus Jesus. Zachäus war wahrscheinlich schon älter, denn als „der oberste Zolleinnehmer“ (19,2; Hfa) hatte er die Spitze der Karriereleiter erreicht. Aber er konnte noch rennen und auf Bäume klettern (19,4). Trotzdem, er wurde nicht jünger. Er hatte Wohlstand erlangt (19,2), und wahrscheinlich war seine Arbeit sein Leben. Als oberster Zolleinnehmer hatte er viele, die für ihn arbeiteten.

Oft war er befördert worden; er konnte zufrieden sein mit dem, was er erreicht hatte. Der persönliche Preis, den er als Zolleinnehmer zu zahlen hatte, waren Ausgrenzung und Ablehnung. Menschen in Zachäus‘ Lage haben häufig einen Groll auf ihren Job und fühlen sich in ihrem Leben gefangen.

Höchstwahrscheinlich hatte Zachäus Familie; wir lesen von seinem „Haus“ (19,9). Vielleicht arbeitete er hart für sie. Eine Midlife-Krise kann katastrophale Auswirkungen auf das Familienleben haben. Ein Mensch in einer Midlife-Krise kann zornig, niedergeschlagen und reizbar gegenüber denen werden, die ihm am nächsten stehen. Er hat möglicherweise das Gefühl, dass, egal wie hart er auch arbeitet, es doch niemals für die Familie reicht.

Mit großer Wahrscheinlichkeit kam Zachäus aus einer frommen Familie. Seine Eltern hatten ihm den Namen Zachäus, „der Gerechte“ gegeben. Das fromme Volk hielt ihn aber nur für einen „berüchtigten Sünder“ (19,7), weil er von den eigenen Leuten für die Römer Steuern und Zölle eintrieb und dabei einen Teil für sich selbst einstrich.

Aber „Zachäus hatte versucht, einen Blick auf Jesus zu werfen“ (19,3). Er musste erkannt haben, dass ihm etwas fehlte. Trotz allen Geldes, Erfolgs, seiner Familie und seiner Religion, fehlte etwas in seinem Leben. Zachäus wollte Jesus sehen, ohne von Ihm gesehen zu werden (19,4).

Viele Menschen meinen, dass Sich Gott wegen ihrer Schuld und Unvollkommenheit von ihnen abwenden würde. Gott aber liebt unvollkommene Menschen. Statt Sich von Dir abzuwenden, wendet Er Sich dir zu.

Zachäus war nicht klar, dass man sich vor Gott nicht verstecken kann. Jesus kannte ihn, ja Er kannte sogar seinen Namen. Zachäus war auch nicht klar, dass Jesus ihn lieb hatte und ihn kennenlernen wollte (19,5). Was immer auch du in deinem Leben getan hast, wie unvollkommen du auch sein magst, Jesus liebt dich, Er wünscht Sich, eine Beziehung mit dir. Aber du musst Ihm antworten. In dem ersten Moment ihrer dramatischen Begegnung sagt Jesus, „komm schnell herunter!“ (19,5).

Demütig leistete Zachäus Jesu Aufforderung folge, unverzüglich. Er „kletterte so schnell er konnte hinunter und geleitete Jesus voller Aufregung und Freude in sein Haus“ (19,6). Jesus störte Sich nicht an den negativen Reaktionen der Menge (19,7).

In der Folge veränderte sich Zachäus‘ Leben total (19,8ff). Er beschloss, „die Hälfte meines Reichtums den Armen [zu] geben, und wenn ich die Leute bei der Steuer betrogen habe, werde ich es ihnen vierfach erstatten“ (19,8). Seine Einstellung zum Besitz änderte sich völlig. Wir sollten uns nicht fragen, „Wie viel kann ich bekommen?“, sondern vielmehr, „Wie viel kann ich geben?“ (19,8).

Seine ganze Familie wurde verwandelt. Jesus sagte zu ihnen, „Heute hat dieses Haus Rettung erfahren“ (19,9). Die Rettung kam in Gestalt von Jesus. Rettung bedeutet Freiheit. Sie bedeutet eine lebenslange, ewige Beziehung mit Jesus. Das relativiert selbst eine Krise in der Lebensmitte.

Und schließlich kannst auch du, wie Zachäus, Teil von Gottes Veränderung der Gesellschaft werden. Die Veränderung bei Zachäus und in seinem Haus brachte den Armen Vorteile und denen, die er betrogen hatte, Gerechtigkeit.

Gebet

Herr, ich danke Dir für Deine Liebe. Danke, dass Du eine Krise oft dazu benutzt, mein Leben besser zu machen. Bitte hilf mir, Dir heute neu zu begegnen.

Altes Testament

5. Mose 29,28 und 30,2-3

28 Vieles, was der HERR, unser Gott, tut, bleibt uns verborgen. Doch was er von uns erwartet, das hat er uns eindeutig mitgeteilt. Er hat uns seine Gebote gegeben, die in diesem Gesetzbuch aufgeschrieben sind. Ihnen sollen wir und unsere Nachkommen für alle Zeiten gehorchen.«

2 und kehrt zu ihm zurück. Wenn ihr wieder auf das hört, was er euch heute durch mich sagt, wenn ihr und eure Kinder ihm von ganzem Herzen und mit aller Hingabe gehorcht, 3 dann wird der HERR euer Schicksal zum Guten wenden. Er wird sich über euch erbarmen und euch aus allen Ländern zurückbringen, in die er euch vertrieben hat.

Kommentar

Von ganzem Herzen

Jüngst saß ich beim Lunch neben einer 86-jährigen Dame im Rollstuhl. Mir wurde schnell klar, dass ihr Geist, im Gegensatz zu ihrem Körper, sie nicht im Stich gelassen hatte. Sie sprach einige schwierige theologische Fragen an. Als ich danach fragte, wie sie denn über diese Themen denke, antwortete sie mit einem Vers aus unserem heutigen Abschnitt: „Seinen verborgenen Plan kennt der Herr, unser Gott, allein; aber seinen Willen hat er uns und unseren Nachkommen für alle Zeiten klar und deutlich verkündet“ (29,28; GNB).

Sie sagte, ihr sei klar geworden, dass es Fragen gebe, auf die wir die Antwort kennen, aber auf andere (solche, die sie angesprochen hatte) würden wir unser Leben lang keine Antwort bekommen. Sie gehörten zum „verborgenen Plan“, den nur „der Herr, unser Gott, kennt“.

Aber Teile „seines Willens“ hat Er uns verkündet. Gott zeigt uns den Weg zu einem erfolgreichen, fruchtbringenden Leben (30,9). Wir dürfen uns nicht „dazu verleiten [lassen], anderen Göttern zu dienen“ (30,17), „dann werdet ihr mit Sicherheit zugrunde gehen“ (30,18).

Der beste Weg zu wissen, dass du einmal in deinem Schaukelstuhl Frieden haben wirst, ist, auf Gott zu hören und „den Geboten, die ich euch heute gegeben habe, *mit ganzem Herzen und mit aller Kraft *zu gehorchen…Er wird sich euer erbarmen und euch wieder aus allen Völkern sammeln, unter die er euch verstreut hat …Dann werdet ihr dem Herrn wieder gehorchen und alle seine Gebote halten… Der Herr, euer Gott, wird euch Erfolg schenken bei allem, was ihr tut… wenn ihr seiner Stimme gehorcht und seine Gebote und Anordnungen befolgt …und wenn ihr euch aufrichtig und mit aller Kraft wieder dem Herrn, eurem Gott, zuwendet (30,2-10).

Es ist nie zu spät, mit einem aufrichtigen Leben zu beginnen.

Gebet

Herr, bitte hilf mir von heute an, Dir *mit ganzem Herzen und mit aller Kraft *zu gehorchen. Lass den heutigen Tag einen Neuanfang sein. Hilf mir, Dir mit ganzem Herzen und mit aller Kraft nachzufolgen.

Pippa fügt hinzu

Lukas 19,1–10

Einmal an Karfreitag besuchte ich die Passionsspiele am Trafalgar Square. Es waren unglaublich viele Menschen dort, sodass ich kaum etwas sehen konnte, zumal ich eher klein bin. Ich fühlte mich wie Zachäus bei seinem Versuch, Jesus näher zu kommen. Hätte es einen Baum gegeben, ich wäre hinaufgeklettert!

Ich habe es damit versucht, auf Bänke und Mülleimer zu steigen. Zweimal wurde ich vom Ordnungsdienst heruntergeholt! Es war ungemein frustrierend. Ich wollte Jesus sehen (auch wenn es natürlich nicht der echte war!). Wie aufregend, wie ungeheuer spannend muss es für Zachäus gewesen sein, dass Jesus ihn in der Menge sah. Jesus sieht uns, und Er kommt zu uns, selbst wenn wir uns unwürdig fühlen.

Thought for the Day

Gott liebt unvollkommene Menschen.

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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“)

Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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