Tag 162

Sorgen haben nicht das letzte Wort

Weisheit Psalm 71,19-21
Neues Testament Apostelgeschichte 6,8-10 + 12-15 und 7,9-10a
Altes Testament 2. Samuel 15,13–14 + 23 + 30 und 16,14

Einführung

George Matheson war das älteste von acht Kindern. Er war mit einer Sehbehinderung zur Welt gekommen, und mit zwanzig Jahren völlig blind. Als seine Verlobte erfuhr, dass er erblinden würde und die Ärzte es nicht würden verhindern können, trennte sie sich von ihm. Sie könne nicht mit einem Blinden leben, sagte sie. Matheson heiratete nie.

Während seines ganzen Dienstes wurde er fürsorglich von einer seiner Schwestern unterstützt. Sie lernte Griechisch, Latein und Hebräisch, damit sie ihm bei seinen Studien helfen konnte. Trotz seiner Blindheit machte Matheson Karriere an der Glasgow Academy, der University of Glasgow und am Church of Scotland Seminary.

Als er vierzig war, heiratete seine Schwester -eine bittersüße Erfahrung. Ihre Heirat bedeutete nicht nur das Ende ihrer Gemeinschaft, sie erinnerte ihn auch wieder an seinen einstigen Verlust. Inmitten dieser tiefen Traurigkeit, am Vorabend der Hochzeit seiner Schwester, schrieb er einen der schönsten und beliebtesten englischen Choräle der christlichen Kirche – „O Love That Wilt Not Let Me Go“ (Liebe, die mich nicht mehr loslässt). Er schrieb das Werk innerhalb von fünf Minuten auf und änderte nichts mehr daran. „Es kam,“ so beschrieb er, „wie ein Frühlingsregen vom Himmel.“

  O Freud, die mich durch Schmerzen sucht,
  Dir kann mein Herz ich nicht verschließen,
  Dem Regenbogen folge ich inmitten allen Regens
  Fühl die Verheißung, sie ist nicht vergebens
  Werd morgen keine Trän vergießen

Sorgen gehören zum Leben dazu. Jesus hatte Sorgen, ebenso wie die Apostel, David und alle Kinder Gottes. Aber wie Mathesons Choral wunderbar zum Ausdruck bringt, haben unsere Sorgen nicht das letzte Wort.

Weisheit

Psalm 71,19-21

19 Gott, deine Treue umschließt Himmel und Erde.
  Du hast große Dinge getan!
  Wer ist wie du?
20 Not und Elend hast du mir zwar nicht erspart,
  aber du erhältst mich am Leben
  und bewahrst mich vor dem sicheren Tod.
21 Du tröstest mich und bringst mich wieder zu Ehren,
  ja, du schenkst mir größeres Ansehen als zuvor.

Kommentar

Wiederhergestellt nach großen Sorgen

Gott verspricht dir nicht, dass der Weg leicht wird. Das Leben ist manchmal unglaublich hart. Der Psalmist spricht von „Not und Leid“ (71,20). Seine Sorgen und die Anforderungen an ihn waren weder Einzelfälle noch trivial, sondern mannigfaltig und ernst. Gleichzeitig gibt er dir ein Beispiel, wie du mit solchen Situationen umgehen kannst.

1. Halte fest am Vertrauen
Es ist nicht weiter schwer, Gott zu vertrauen, wenn alles läuft. Die Kunst besteht darin, weiter auf Ihn zu vertrauen, wenn die Probleme sich häufen. Der Psalmist hört nicht auf, an die Güte Gottes zu glauben: „Deine Gerechtigkeit, Gott, reicht bis zum Himmel. Herrliche Taten hast du vollbracht. Gott, wer ist dir gleich?“ (71,19).

2. Gib die Hoffnung nicht auf
Deine Probleme werden nicht ewig andauern. Es gibt Hoffnung inmitten deiner Sorgen: „du wirst… mich auch aus der dunkelsten Tiefe wieder heraufholen. Du wirst mich zu großen Ehren bringen und mich trösten“ (71,20b-21). Gott wird aus deinen Sorgen etwas Gutes machen. Dein Charakter wird durch sie geformt. In der Folge wirst du an Ehre gewinnen. Er wird dich trösten, damit du andere trösten kannst (2. Korinther 1,4).

3. Lobe und preise Gott weiterhin
Preise Gott trotz all deiner Probleme: „Darum will ich dir mit dem Spiel auf der Harfe danken. Ich lobe deine Treue, du, mein Gott! Zur Laute will ich dir singen, dir, dem heiligen Gott Israels! Ich juble vor Freude, wenn ich von dir singe, denn du hast mich errettet“ (71,22-23). Gott im Lobpreis zu begegnen, schenkt uns Frieden und Trost besonders in schweren Zeiten.

Gebet

Herr, ich danke Dir, dass Du mir in „Not und Leid“ versprichst, mein Leben wiederherzustellen. Ich preise Dich für Deine Treue.

Neues Testament

Apostelgeschichte 6,8-10 + 12-15 und 7,9-10a

8 Stephanus vollbrachte öffentlich durch Gottes Gnade und Kraft große Zeichen und Wunder. 9 Eines Tages verwickelten ihn Anhänger einer jüdischen Gemeinde, die sich die »Freigelassenen« nannten, in ein Streitgespräch. Auch Leute aus Kyrene, Alexandria, Zilizien und der Provinz Asia beteiligten sich daran. 10 Aber keiner von ihnen hatte der Weisheit, mit der er sprach, etwas entgegenzusetzen, denn in ihm wirkte der Heilige Geist mit seiner Kraft.

12 Dadurch gelang es ihnen, das Volk, seine führenden Männer und die Schriftgelehrten so aufzuwiegeln, dass sie über Stephanus herfielen und ihn vor den Hohen Rat schleppten. 13 Dort traten Zeugen gegen Stephanus auf, die man vorher bestochen hatte. »Dieser Mensch«, so behaupteten sie, »wendet sich in seinen Reden ständig gegen den heiligen Tempel und das Gesetz Gottes. 14 Wir haben selbst gehört, dass er gesagt hat: ›Jesus aus Nazareth wird den Tempel abreißen und die Ordnungen ändern, die Mose uns gegeben hat.‹« 15 Die Mitglieder des Hohen Rates blickten gespannt auf Stephanus, und jedem fiel auf, dass sein Gesicht aussah wie das eines Engels.

9 Weil aber Jakobs Söhne auf ihren Bruder Josef neidisch waren, verkauften sie ihn als Sklaven nach Ägypten. Doch Gott stand Josef bei 10 und half ihm jedes Mal, wenn er in Not geriet.

Kommentar

Gerettet aus aller Not

Wir sind manchmal versucht, das Leben der Urgemeinde zu idealisieren - so als wäre alles perfekt und unproblematisch gewesen. Aber wir müssen die in Kapitel 2 beschriebene Idylle neben Kapitel 6 lesen und dürfen auch die Probleme, von denen Paulus in seinen Briefen schreibt, nicht vergessen. Die ersten Christen hatten jede Menge Probleme. Wundere dich nicht, wenn dir in deiner Gemeinde Ähnliches passiert:

1. Murren
Ein guter Leiter wählt die Schlachten, die er zu schlagen bereit ist, sorgfältig. Er mischt sich nicht in alles ein, aber er übernimmt für alles die Verantwortung. Die Apostel wurden mit der berechtigten Klage konfrontiert, „dass .. Witwen bei der täglichen Versorgung benachteiligt würden“ (6,1). Und trotzdem mussten sie sich auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren: „das Gebet und die Verkündigung von Gottes Wort“ (6,4). Wie so oft lag die Lösung darin, gut zu delegieren.

Die Apostel lösten das Problem, indem sie einige Personen auswählten, die sich um die „Organisation der Mahlzeiten“ kümmerten (6,2). Sie suchten „Männer mit gutem Ruf aus, die vom Heiligen Geist erfüllt“ waren (6,3). So hatten sie Zeit für „die Verkündigung von Gottes Wort… Die Zahl der Gläubigen in Jerusalem nahm weiter zu“ (6,4.7). Gute Leiter delegieren und setzen bei anderen deren gottgegebene Gaben zum Dienst frei.

2. Aufwiegeln
Eine Gruppe von Gemeindegegnern „versetzte .. das Volk…in Aufruhr“ (6,12) und brachte falsche Zeugen vor (6,13). Sie drehten Stephanus‘ Worte im Mund herum und behaupteten, „Dieser Mann redet ständig abfällig über den Tempel und über das Gesetz Moses“ (6,13).

3. Angst vor Veränderung
Ein Teil des Widerstands rührte von der Angst vor Veränderung. Sie sagten, „Wir haben gehört, dass er gesagt hat, dieser Jesus von Nazareth werde den Tempel zerstören und die Ordnungen ändern, die Mose uns überliefert hat“ (6,14).

Sie konnten ihre Augen nicht von Stephanus wenden, „weil sein Gesicht plötzlich so strahlend wurde wie das eines Engels“ (6,15). Er brachte seine Verteidigung vor. Dabei fasste er die Geschichte vom Volk Gottes zusammen, zitierte die Stellen aus der Schrift, die für seine Lage besonders relevant waren. Über Josef sagte er, „Gott ließ ihn nicht allein und rettete ihn aus [all] seiner Not. Er … verlieh ihm große Weisheit…“ (7,9-10); dasselbe galt offensichtlich auch für Stephanus (6,10).

Die Rettung des Stephanus kam in Form des Märtyrertodes. „Vom Heiligen Geist erfüllt, blickte [er] unverwandt zum Himmel hinauf, wo er die Herrlichkeit Gottes sah, und er sah Jesus auf dem Ehrenplatz zur Rechten Gottes stehen“ (7,55). Stephanus wurde in die Ewigkeit gerettet.

Gebet

Herr, bitte hilf mir, dass ich mich von Sorgen nicht hinunterziehen lasse, sondern dass ich wie Stephanus voll des Glaubens und des Heiligen Geistes bin. Lass uns die Ausbreitung Deines Wortes erleben und dass die Zahl Deiner Nachfolger täglich zunimmt.

Altes Testament

2. Samuel 15,13–14 + 23 + 30 und 16,14

13 Ein Bote kam zu David nach Jerusalem und meldete: »Absalom hat eine Verschwörung angezettelt! Die meisten Israeliten sind auf seiner Seite.«
14 »Dann gibt es für uns nur eines: fliehen, damit wir ihm nicht in die Hände fallen«, sagte David zu seinen Anhängern. »Wir müssen sofort aufbrechen, beeilt euch! Sonst überwältigt er uns hier in der Stadt, und dann sind wir und alle Einwohner verloren. Denn bestimmt würde er ein großes Blutbad anrichten.«
23 Schließlich überquerte David den Bach Kidron und schlug den Weg in Richtung Wüste ein. Die Leute von Jerusalem weinten laut, als sie den König und sein Gefolge fliehen sahen.
30 David und die Menschen, die mit ihm gegangen waren, stiegen weinend den Ölberg hinauf. Als Zeichen der Trauer hatten sie ihre Gesichter verhüllt und liefen barfuß.

14 Erschöpft erreichten sie schließlich den Jordan und ruhten sich dort aus.

Kommentar

Erfrischt mitten in Sorgen und Leid

Sein eigener Sohn, Absalom, hatte sich gegen David gewandt, und „Ein Bote traf bei David ein und berichtete ihm: „Ganz Israel ist zu Absalom übergelaufen““ (15,13). Verheerende Nachrichten. David, ein großer Mann Gottes, ein König über das Volk Gottes und eine „Art Christus“ (in jedem Fall ein Vorfahre Christi) hatte wirklich viele Sorgen im Laufe seines Leben. Wenn du ähnliche Sorgen hast, sei nicht verwundert oder denke, du hättest etwas falsch gemacht. Manche Probleme entstehen erst dadurch, dass wir etwas richtig gemacht haben.

1. Tränen
Wir sehen, wie aufgewühlt David war: „er „ging den Weg hinauf, der zum Ölberg führte, und er weinte. Sein Kopf war verhüllt und er ging barfuß. Auch die Leute, die bei ihm waren, verhüllten ihr Gesicht und weinten, während sie den Berg hinaufstiegen“ (15,30). Tatsächlich „herrschte im ganzen Land große Trauer“ (15,23).

2. Enttäuschung
Nicht nur Davids Sohn hatte sich gegen ihn gewandt, auch Mefi-Boschet brach die Treue, obwohl David alles Erdenkliche getan hatte, um ihm zu helfen. Er blieb in Jerusalem, weil er dachte, „Heute werde ich von den Israeliten das Königreich meines Großvaters Saul zurückerhalten“ (16,3). Untreue geliebter Menschen ist besonders enttäuschend.

3. Kritik
Schimi warf mit Beleidigungen und Steinen um sich und verfluchte David. Doch David sinnt nicht auf Rache, sondern beschließt, die Sache in Gottes Hände zu legen (16,11-12).

4. Erschöpfung
David „und alle, die ihn begleiteten, erreichten müde von der Reise“ ihr Ziel (16,14). In Anbetracht dessen, was David alles durchgemacht hatte, ist es nicht erstaunlich, dass er vollkommen „erschöpft“ (GNB) war.

Auch das Leben eines Christen kennt Sorgen, Tränen, Traurigkeit und Enttäuschungen. Was uns aber von den anderen unterscheidet, ist unsere Beziehung mit Gott.

Inmitten all seiner Sorgen betet David, „mach den klugen Rat Ahitofels zur Torheit!“ (15,31). Sein Gebet wird erhört, wenn auch nicht, wie erwartet. Der Rat den Ahitofel gab, war gut, aber er wurde nicht befolgt (siehe 17,14).

In seiner Erschöpfung „ruhte er aus“ (16,14; LUT). „Er erholte sich wieder“ (ELB). Manchmal musst du einfach mal eine Pause machen und dich ausruhen, um körperlich, geistig und seelisch aufzutanken. Wie er das genau gemacht hat, wissen wir nicht, aber wenn wir an die Psalmen denken, dürfen wir davon ausgehen, dass ihn die enge Beziehung zu Gott wiederbelebt hat.

Seine Seele wurde sicher auch durch die Treue seiner Freunde Zadok (15,24ff), Huschai (15,31), Ziba (16,1-4) und Ittai (15,21) erfrischt, die zu ihm sagten, „ich werde mit dir gehen, wohin du auch gehst, auch wenn es mich das Leben kosten sollte“ (15,21).

Gebet

Danke, Herr, dass es in diesem Leben keine Sorge gibt, von der Du mich nicht befreist – auch wenn es erst in der Ewigkeit in Deiner Gegenwart ist. Danke, dass ich inmitten meiner Sorgen zu Dir beten kann und in Deiner Gegenwart erfrischt werde (Apostelgeschichte 3,19).

Pippa fügt hinzu

Psalm 71,24

„Den ganzen Tag will ich deine Gerechtigkeit loben.“

Vor vier Jahren schrieb ich: „Ich habe gerade auf dem Weg zur Post versucht, mit Gott über die wunderbaren Dinge zu sprechen, die Er tut. Ich fing gut an, aber dann wurde ich abgelenkt. An dem „den ganzen Tag“ arbeite ich noch.“

Und es klappt immer noch nicht viel besser!

Thought for the Day

Vertrau auf Gott in deinen Sorgen.

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Verweise

Diesen Texten liegt die englisch-sprachige Bible in one Year („BIOY“) von Nicki und Pippa Gumbel, London, England zugrunde, in der aktuellen Fassung von 2021.
Quellenangaben für Zitate im Text wurden dem englischen Original entnommen.
BIOY ist Teil von Alpha International. Alpha International ist eine Organisation („registered Charity“) in England und Wales (no. 1086179) und in Schottalnd(no. SC042906) und eine Gesellschaft privaten Rechts „by guarantee“ und registriert in England & Wales (no. 4157379). Der Hauptsitz ist „HTB Brompton Road SW7 1 JA London, England. © Copyright Alpha International 2021

Die Übersetzung aus dem Englischen wurde erstellt von: Dipl. Übersetzerin Wibke Kiontke, Allgemein ermächtigte Übersetzerin EN/DE, Certified Translator EN/GE, Gutensteinstraße 12, D-61250 Usingen
Sprecher: Jörg Pasquay, Milchberg 7, 86150 Augsburg www.wortmuehle.de und Susanne Pasquay („Noch ein Gedanke meiner Frau“) \t Die Bibeltexte (Lesungen) sind der Übersetzung „Hoffnung für alle®“ entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis, Basel.“

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